Schuppige und trockene Lippen: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung
Schuppige, trockene oder rissige Lippen sind häufig und meist harmlos. Besonders bei kaltem oder trockenem Wetter kann die empfindliche Haut der Lippen schnell austrocknen und sich anschließend ablösen. Auch häufiges Lippenlecken, bestimmte Pflegeprodukte, Sonnenlicht oder eine Reizung können dazu führen, dass sich die Lippen schälen.
Manchmal steckt hinter dauerhaft schuppigen Lippen jedoch eine Entzündung der Lippenhaut, eine Kontaktallergie, ein Mangelzustand oder eine andere Erkrankung. Entscheidend ist deshalb, ob die Beschwerden nur vorübergehend auftreten oder über längere Zeit bestehen bleiben. [1] [2]
Warum schälen sich die Lippen?
Die Haut der Lippen unterscheidet sich von der Haut an vielen anderen Körperstellen. Sie ist besonders empfindlich und besitzt keine normalen Talgdrüsen, die eine schützende Fettschicht bilden könnten. Dadurch kann sie Feuchtigkeit leichter verlieren und auf äußere Einflüsse empfindlich reagieren. [1]
Wenn die Lippen austrocknen, kann die oberste Hautschicht spröde werden, aufreißen und sich anschließend ablösen. Je nach Ursache können zusätzlich Brennen, Schmerzen, Rötung, Juckreiz oder Blutungen auftreten.
Die häufigsten Ursachen für schuppige Lippen
1. Kaltes und trockenes Wetter
Kalte Luft, trockener Wind und eine niedrige Luftfeuchtigkeit gehören zu den häufigsten Auslösern trockener und schuppiger Lippen. Im Winter kann die Kombination aus kalter Außenluft und trockener Heizungsluft die Beschwerden zusätzlich verstärken.
Die Lippen sind diesen Bedingungen besonders stark ausgesetzt und können dadurch schneller austrocknen als andere Hautbereiche. [1]
2. Häufiges Lippenlecken
Werden trockene Lippen immer wieder mit der Zunge befeuchtet, kann sich das Problem sogar verstärken. Der Speichel verdunstet anschließend wieder und kann die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Auch das Beißen oder Abziehen von Hautschuppen verhindert, dass kleine Risse in Ruhe abheilen können. Bei regelmäßigem Lippenlecken kann sich eine sogenannte „Lip-Licker-Dermatitis“ entwickeln, bei der nicht nur die Lippen, sondern auch die umliegende Haut gereizt wird. [1] [2]
3. Flüssigkeitsmangel
Eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann mit trockenen Schleimhäuten und trockener Haut einhergehen. Trockene Lippen können deshalb unter anderem auftreten, wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit erhält.
Allerdings ist nicht jede trockene Lippe automatisch ein Zeichen für Dehydrierung. Häufig sind äußere Faktoren wie trockene Luft, Kälte oder Lippenlecken die wichtigeren Auslöser.
4. Sonneneinstrahlung
Auch die Lippen können einen Sonnenbrand bekommen. Wiederholte UV-Belastung kann die Lippenhaut schädigen und langfristig zu einer sogenannten aktinischen Cheilitis führen.
Eine aktinische Cheilitis betrifft häufig die Unterlippe und kann sich durch anhaltende Trockenheit, Schuppung, Rötung oder Veränderungen der Lippenstruktur bemerkbar machen. Da chronische UV-Schäden das Risiko für Hautkrebs erhöhen können, sollten dauerhaft auffällige Veränderungen ärztlich untersucht werden. [1]
5. Reizung durch Lippenpflegeprodukte
Nicht jeder Lippenpflegestift ist für jede Haut geeignet. Duftstoffe, Aromen und bestimmte Inhaltsstoffe können die Lippen reizen oder bei sensibilisierten Menschen eine allergische Kontaktdermatitis auslösen.
Auch ein Produkt, das zunächst angenehm wirkt, kann bei wiederholter Anwendung eine Reaktion verursachen. Wenn die Beschwerden nach der Verwendung eines bestimmten Lippenprodukts beginnen oder immer wieder zurückkehren, sollte dieses Produkt vorübergehend weggelassen werden. [2] [3]
6. Zahnpasta und Mundpflegeprodukte
Auch Zahnpasta oder Mundspülungen können bei empfindlichen Menschen die Haut rund um den Mund beziehungsweise die Lippen reizen. Besonders bei wiederkehrenden Beschwerden kann eine Kontaktreaktion auf einen Bestandteil eines Pflegeprodukts infrage kommen.
Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie kann eine dermatologische Untersuchung einschließlich eines Epikutantests helfen, den Auslöser zu identifizieren. [2]
7. Sehr scharfes oder salziges Essen
Scharfe und stark salzige Lebensmittel können bereits gereizte Lippen zusätzlich brennen oder reizen. Sie sind jedoch nicht grundsätzlich eine Ursache für chronisch schuppige Lippen.
Wenn die Lippen bereits rissig oder entzündet sind, kann es deshalb sinnvoll sein, stark reizende Lebensmittel vorübergehend zu reduzieren.
8. Allergische Reaktionen
Eine allergische Kontaktreaktion kann zu trockenen, schuppigen, geröteten oder rissigen Lippen führen. Mögliche Auslöser sind unter anderem Lippenstifte, Lippenpflegeprodukte, Zahnpasta, Kosmetika oder bestimmte Duft- und Aromastoffe.
Bei einer Kontaktdermatitis können die Beschwerden immer wieder auftreten, solange der auslösende Stoff verwendet wird. [2] [3]
9. Ekzem und Neurodermitis
Menschen mit Neurodermitis oder anderen Ekzemerkrankungen können ebenfalls zu trockenen und entzündeten Lippen neigen. Ein Lippenekzem kann sich durch Trockenheit, Schuppung, Rötung, Juckreiz und schmerzhafte Risse äußern.
Bei einem länger bestehenden Lippenekzem sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden, da neben einer Hauterkrankung auch eine Kontaktallergie infrage kommen kann. [2]
10. Eingerissene Mundwinkel
Wenn die Beschwerden vor allem an den Mundwinkeln auftreten, kann es sich um eine sogenannte anguläre Cheilitis handeln. Typisch sind schmerzhafte Risse, Rötung, Krusten oder nässende Stellen an einem oder beiden Mundwinkeln.
Eine wichtige Rolle spielt dabei häufig die wiederholte Feuchtigkeit durch Speichel. Zusätzlich können Pilz- oder bakterielle Infektionen sowie bestimmte Mangelzustände beteiligt sein. Zu den möglichen Risikofaktoren gehören unter anderem Eisenmangel sowie ein Mangel an Vitamin B2, Vitamin B12, Folat oder Zink. [4]
11. Vitamin- oder Eisenmangel
Bestimmte Nährstoffmängel können mit Veränderungen an den Lippen oder Mundwinkeln verbunden sein. Dazu gehören insbesondere Eisenmangel sowie Mängel bestimmter B-Vitamine und Zink.
Schuppige Lippen allein beweisen jedoch keinen Vitaminmangel. Wer zusätzlich unter Müdigkeit, Blässe, wiederkehrenden Mundwinkeleinrissen oder anderen Beschwerden leidet, sollte nicht eigenständig hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sondern die Ursache gegebenenfalls ärztlich abklären lassen. [4]
12. Medikamente
Bestimmte Medikamente können trockene Lippen verursachen. Dazu gehören beispielsweise orale Retinoide wie Isotretinoin, die häufig eine deutliche Trockenheit der Lippen hervorrufen.
Wenn trockene oder schuppige Lippen nach Beginn einer neuen Behandlung auftreten, sollte das Medikament nicht eigenständig abgesetzt werden. Stattdessen sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden, ob die Beschwerden mit der Behandlung zusammenhängen könnten. [4]
Welche Symptome können zusätzlich auftreten?
Je nach Ursache können schuppige Lippen von weiteren Beschwerden begleitet werden:
- Trockenheit und Spannungsgefühl
- feine oder tiefe Risse
- Rötung
- Brennen oder Schmerzen
- Juckreiz
- Abschälen der obersten Hautschicht
- Blutungen bei tiefen Rissen
- Krusten oder nässende Stellen
- eingerissene Mundwinkel
Stark rissige Lippen können beim Essen und Trinken schmerzen. Wenn die Haut immer wieder aufreißt, können außerdem kleine Wunden entstehen, die sich unter ungünstigen Bedingungen entzünden können. [1]
Was hilft gegen trockene und schuppige Lippen?
Bei gewöhnlich trockenen Lippen lässt sich häufig bereits mit einer einfachen, konsequenten Pflege eine deutliche Verbesserung erreichen.
1. Eine einfache, reizfreie Lippenpflege verwenden
Bei trockenen Lippen eignen sich möglichst einfache, unparfümierte Produkte. Eine Salbe oder ein Pflegeprodukt mit beispielsweise Vaseline beziehungsweise Petrolatum kann die Hautbarriere unterstützen und den Feuchtigkeitsverlust reduzieren.
Bei stark trockenen Lippen können Salben oft länger auf der Haut verbleiben als sehr leichte Lippenbalsame. Die Pflege sollte regelmäßig und insbesondere vor dem Schlafengehen aufgetragen werden. [1]
2. Lippen nicht ablecken
Auch wenn das Lippenlecken kurzfristig Feuchtigkeit vermittelt, kann es langfristig die Trockenheit und Reizung verstärken. Deshalb sollte möglichst darauf verzichtet werden.
3. Hautschuppen nicht abziehen
Abstehende Haut sollte nicht gewaltsam abgezogen oder abgebissen werden. Dadurch können kleine Wunden entstehen und die Heilung kann sich verlängern.
4. Sonnenschutz verwenden
Bei längeren Aufenthalten im Freien sollte auch die Lippenhaut vor UV-Strahlung geschützt werden. Ein geeigneter Lippenpflegestift mit Sonnenschutz kann dabei helfen. Bei starker Sonneneinstrahlung sollte die Anwendung regelmäßig erneuert werden. [1]
5. Trockene Raumluft reduzieren
Während der Heizperiode kann trockene Raumluft die Beschwerden verstärken. Ein Luftbefeuchter kann in geeigneten Räumen helfen, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.
Sollte man Zuckerpeelings für trockene Lippen verwenden?
Ein verbreiteter Hausmittel-Tipp ist ein Peeling aus Zucker und Honig oder Öl. Bei gesunden Lippen kann ein sehr sanftes Peeling kosmetisch angenehm sein. Bei bereits rissigen, entzündeten oder blutenden Lippen ist mechanisches Reiben jedoch nicht sinnvoll.
Das Entfernen von Hautschuppen kann die empfindliche Haut zusätzlich verletzen und die Heilung verzögern. Bei trockenen und rissigen Lippen ist eine schützende, reizfreie Pflege deshalb in der Regel sinnvoller als aggressives Peeling.
Sind Zitrone und andere Hausmittel geeignet?
Der ursprüngliche Artikel empfiehlt unter anderem Zitronensaft, Zucker, Honig, Gurke sowie verschiedene Öle. Solche Hausmittel sind jedoch nicht automatisch die beste Wahl für gereizte Lippen.
Insbesondere Zitronensaft ist sauer und kann auf rissiger oder entzündeter Haut brennen. Auch Duftstoffe oder andere pflanzliche Inhaltsstoffe können bei empfindlichen Personen Kontaktreaktionen auslösen.
Bei trockenen Lippen ist eine möglichst einfache, unparfümierte und schützende Pflege daher häufig die bessere Option. [1] [3]
Wann sollte man mit schuppigen Lippen zum Arzt?
Vorübergehend trockene Lippen benötigen meistens keine medizinische Behandlung. Wenn die Beschwerden jedoch trotz konsequenter Pflege nicht verschwinden, immer wieder auftreten oder sich deutlich verschlimmern, sollte die Ursache ärztlich untersucht werden.
Eine medizinische Abklärung ist besonders sinnvoll bei:
- anhaltender oder zunehmender Schuppung über mehrere Wochen
- starken Schmerzen oder wiederkehrenden Blutungen
- offenen Wunden, Krusten oder nässenden Stellen
- deutlicher Schwellung
- starkem Juckreiz oder Brennen
- wiederkehrenden eingerissenen Mundwinkeln
- auffälligen Veränderungen nur an einem bestimmten Lippenbereich
- einer Wunde, die nicht abheilt
Insbesondere eine dauerhaft raue, schuppige oder veränderte Stelle an der Lippe sollte nicht über längere Zeit als „trockene Haut“ abgetan werden. Chronische UV-Schäden können beispielsweise eine aktinische Cheilitis verursachen, die dermatologisch beurteilt werden sollte. [1]
Wie werden die Ursachen diagnostiziert?
Die Diagnose richtet sich nach dem Aussehen der Lippen, der Dauer der Beschwerden und möglichen Auslösern. Ärztinnen und Ärzte fragen beispielsweise nach neuen Kosmetikprodukten, Medikamenten, Hauterkrankungen, Allergien und Gewohnheiten wie häufigem Lippenlecken.
Wenn eine Kontaktallergie vermutet wird, kann ein Epikutantest durchgeführt werden. Bei Verdacht auf einen Nährstoffmangel oder eine andere Erkrankung können je nach Situation Blutuntersuchungen sinnvoll sein. Bei auffälligen oder nicht heilenden Veränderungen kann in bestimmten Fällen eine weiterführende dermatologische Untersuchung erforderlich sein. [1] [2]
Schuppige Lippen bei Kindern
Auch Kinder können trockene und schuppige Lippen bekommen. Häufig spielen kaltes Wetter, trockene Luft oder häufiges Lippenlecken eine Rolle.
Wenn ein Kind ständig an den Lippen leckt, kann sich die Haut rund um den Mund entzünden. Bei starken Schmerzen, Blutungen, ausgeprägter Schwellung oder anhaltenden Beschwerden sollte eine kinderärztliche oder dermatologische Untersuchung erfolgen. [1]
Fazit
Schuppige Lippen entstehen häufig durch trockene Luft, Kälte, Sonne, Lippenlecken oder eine ungeeignete beziehungsweise reizende Lippenpflege. In vielen Fällen lässt sich das Problem mit einer einfachen, unparfümierten Schutzpflege, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und dem Verzicht auf Lippenlecken und aggressive Peelings verbessern.
Halten die Beschwerden jedoch über längere Zeit an, kehren sie immer wieder zurück oder treten zusätzlich Risse, Blutungen, starke Entzündungen oder auffällige Hautveränderungen auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Hinter wiederkehrenden Beschwerden können unter anderem ein Lippenekzem, eine Kontaktallergie, eine anguläre Cheilitis, bestimmte Medikamente oder seltener ein Nährstoffmangel beziehungsweise eine andere Erkrankung stecken.
Quellen [+]
[1] Cleveland Clinic: Chapped Lips (Cheilitis): Causes, Treatment & Prevention. 2024. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/22005-chapped-lips
[2] Cleveland Clinic: Eczema on the Lips (Eczematous Cheilitis). 2022. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/22741-eczema-on-the-lips
[3] DermNet: Allergic contact cheilitis. Aktualisiert. https://dermnetnz.org/topics/allergic-contact-cheilitis
[4] DermNet: Angular Cheilitis. 2022, aktualisiert. https://dermnetnz.org/topics/angular-cheilitis
[5] American Academy of Dermatology: How to prevent chapped lips. Aktualisiert. https://www.aad.org/public/everyday-care/skin-care-basics/dry/chapped-lips
