Zu wenig Muttermilch: Ursachen, Anzeichen und was helfen kann
Viele Mütter machen sich während der Stillzeit Sorgen, dass ihre Brust nicht genügend Milch produziert. Häufig entsteht dieser Eindruck jedoch, obwohl tatsächlich ausreichend Muttermilch vorhanden ist. Entscheidend ist deshalb nicht, wie voll sich die Brust anfühlt oder wie viel beim Abpumpen gewonnen wird, sondern ob das Baby ausreichend trinkt, regelmäßig nasse Windeln hat und sich altersgerecht entwickelt.
Eine tatsächlich zu geringe Milchproduktion kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem eine ungünstige Anlegetechnik, zu seltenes Stillen, Schwierigkeiten beim Entleeren der Brust, bestimmte Erkrankungen, Medikamente oder Faktoren beim Baby. In vielen Fällen lässt sich die Milchbildung mit gezielter Unterstützung verbessern.[1] [2]
Wie entsteht Muttermilch?
Die Milchbildung funktioniert grundsätzlich nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn das Baby regelmäßig und effektiv an der Brust trinkt, erhält der Körper das Signal, weiterhin Milch zu produzieren. Auch regelmäßiges Abpumpen kann dieses Signal unterstützen.
Gerade in den ersten Wochen kann ein Baby sehr häufig trinken. Das allein bedeutet nicht, dass die Milch nicht ausreicht. Häufiges Stillen ist vielmehr ein normaler Bestandteil des Aufbaus und der Aufrechterhaltung der Milchproduktion.[1] [3]
Die häufigsten Ursachen für zu wenig Muttermilch
1. Das Baby wird nicht effektiv angelegt
Eine ungünstige Anlegetechnik gehört zu den häufigsten Gründen dafür, dass ein Baby nicht ausreichend Milch aus der Brust aufnehmen kann. Wenn Mund und Brustwarze nicht optimal positioniert sind, kann das Trinken erschwert sein und die Brust wird möglicherweise nicht ausreichend entleert.
Mögliche Hinweise sind beispielsweise Schmerzen beim Stillen, ein häufiges Abrutschen von der Brust, ein abgeflachter oder verformter Brustwarzenhof nach dem Stillen oder fehlendes hörbares Schlucken. Auch wenn das Baby nach dem Stillen weiterhin deutliche Hungersignale zeigt, sollte die Stilltechnik überprüft werden.[2] [3]
2. Zu seltenes Stillen
Wenn die Brust über längere Zeit nur selten entleert wird, kann die Milchproduktion zurückgehen. Das kann beispielsweise passieren, wenn Stillmahlzeiten regelmäßig ausgelassen oder durch Flaschennahrung ersetzt werden.
Wenn ein Baby weniger häufig an der Brust trinkt, erhält der Körper entsprechend weniger Signale zur Milchproduktion. Deshalb kann häufigeres Stillen beziehungsweise regelmäßiges Abpumpen helfen, die Milchbildung wieder anzuregen.[1] [4]
3. Stress, Erschöpfung und psychische Belastung
Die Zeit nach der Geburt kann körperlich und emotional sehr belastend sein. Schlafmangel, Stress und Sorgen können das Stillen erschweren. Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Milchproduktion und Milchfluss: Stress kann unter anderem den sogenannten Milchspendereflex beeinträchtigen und dadurch den Milchfluss vorübergehend erschweren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede gestresste Mutter automatisch zu wenig Milch produziert. Bei anhaltenden Problemen sollte deshalb die gesamte Stillsituation betrachtet werden.[2]
4. Erkrankungen und hormonelle Faktoren
Bestimmte gesundheitliche Probleme können die Milchbildung beeinflussen. Dazu können beispielsweise nicht ausreichend behandelte Schilddrüsenerkrankungen oder andere hormonelle Störungen gehören. Auch gesundheitliche Probleme nach der Geburt können eine Rolle spielen.
Wenn die Milchmenge trotz häufigem und effektivem Stillen dauerhaft niedrig bleibt, kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein, um mögliche körperliche Ursachen auszuschließen.
5. Medikamente
Einige Medikamente können die Milchproduktion beeinflussen. Deshalb sollte bei einem deutlichen Rückgang der Milchmenge geprüft werden, ob kürzlich ein neues Medikament begonnen oder die Dosierung verändert wurde.
Medikamente sollten während der Stillzeit jedoch nicht eigenständig abgesetzt oder verändert werden. Stattdessen sollte mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apotheke geklärt werden, ob ein Zusammenhang mit der Milchbildung besteht.
6. Schwangerschaft während der Stillzeit
Eine erneute Schwangerschaft kann während der Stillzeit vorkommen. Bei einer Schwangerschaft kann sich die Milchmenge verändern und später auch zurückgehen. Wenn trotz Stillens eine Schwangerschaft möglich ist und plötzlich deutliche Veränderungen der Milchmenge auftreten, kann ein Schwangerschaftstest sinnvoll sein.
7. Schwierigkeiten beim Baby
Nicht immer liegt die Ursache bei der Mutter. Auch das Baby kann Schwierigkeiten haben, ausreichend Milch aufzunehmen. Ein eingeschränktes Zungenbewegungsmuster oder Probleme beim Anlegen können beispielsweise dazu führen, dass die Brust nicht effektiv entleert wird.
In solchen Situationen kann eine qualifizierte Stillberatung helfen, die Trinktechnik des Babys und die Position beim Stillen zu beurteilen.
Woran erkennt man tatsächlich zu wenig Muttermilch?
Eine weiche Brust oder das Gefühl, dass beim Abpumpen nur wenig Milch kommt, beweist nicht automatisch eine zu geringe Milchproduktion. Auch die Tatsache, dass ein Baby häufig trinken möchte, ist allein kein zuverlässiges Zeichen für eine Unterversorgung.
Wichtiger sind objektivere Hinweise. Dazu gehören unter anderem:
- unzureichende Gewichtszunahme oder auffälliger Gewichtsverlust,
- zu wenige nasse Windeln für das Alter des Babys,
- das Baby wirkt ungewöhnlich schlapp oder schwer weckbar,
- beim Stillen ist kaum Schlucken zu beobachten oder zu hören,
- das Baby zeigt nach dem Stillen weiterhin deutliche Hungersignale.
Wenn Unsicherheit besteht, sollte das Gewicht des Babys durch eine Hebamme, Kinderärztin, einen Kinderarzt oder eine qualifizierte Stillberatung beurteilt werden. Besonders bei einem Neugeborenen sollte eine vermutete unzureichende Milchaufnahme nicht über längere Zeit unbeachtet bleiben.[1] [3]
Was kann die Milchproduktion unterstützen?
Wenn tatsächlich zu wenig Milch produziert wird, richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Häufig steht eine effektivere und häufigere Entleerung der Brust im Mittelpunkt.
- Das Baby nach Bedarf und nicht ausschließlich nach einem starren Zeitplan anlegen.
- Auf eine gute Anlegeposition achten.
- Beide Brüste anbieten und beobachten, ob das Baby effektiv schluckt.
- Bei einer Trennung vom Baby regelmäßig abpumpen, wenn die Milchproduktion aufrechterhalten werden soll.
- Hautkontakt zwischen Mutter und Baby fördern.
- Bei Problemen frühzeitig eine Stillberaterin, Hebamme oder medizinische Fachperson einbeziehen.
Wenn zusätzlich Säuglingsnahrung gegeben wird, sollte die Situation individuell betrachtet werden. Wird dadurch seltener gestillt, kann die Milchproduktion weiter abnehmen. Eine Reduzierung von Zufütterung sollte jedoch insbesondere bei einem jungen oder schlecht zunehmenden Baby nicht eigenständig erfolgen, sondern gemeinsam mit einer Fachperson geplant werden.[2] [4]
Spielt die Ernährung der Mutter eine Rolle?
Eine ausgewogene Ernährung ist während der Stillzeit wichtig für die Gesundheit der Mutter. Sie sollte ausreichend Energie und Nährstoffe liefern. Eine einzelne bestimmte Speise ist jedoch kein verlässlich nachgewiesenes Mittel, um die Milchproduktion deutlich zu steigern.
Stillende Frauen sollten grundsätzlich abwechslungsreich essen und ausreichend trinken. Zusätzliche Flüssigkeit über den Durst hinaus führt dagegen nicht automatisch zu mehr Muttermilch.
Auch sogenannte Stilltees, Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht unkritisch eingesetzt werden. Bei pflanzlichen Präparaten sind Wirksamkeit und Sicherheit nicht immer ausreichend untersucht.
Kaffee und Koffein beim Stillen
Koffein geht in kleinen Mengen in die Muttermilch über. Moderate Mengen gelten für die meisten stillenden Frauen als unproblematisch. Die CDC nennt für Erwachsene etwa bis zu 300 mg Koffein pro Tag als niedrige bis moderate Menge.
Bei sehr hohen Mengen können manche Babys beispielsweise unruhiger werden oder schlechter schlafen. Bei besonders jungen oder frühgeborenen Babys kann Koffein langsamer abgebaut werden.[5]
Alkohol und Stillen
Die sicherste Option während der Stillzeit ist, keinen Alkohol zu trinken. Alkohol gelangt in die Muttermilch und kann außerdem den Milchspendereflex beeinträchtigen. Bei höherem Konsum können sich Risiken für das Baby und die Sicherheit der Betreuung erhöhen.
Wer Alkohol getrunken hat, sollte die Empfehlungen zur Wartezeit und zur Versorgung des Babys beachten. Abpumpen und Wegwerfen der Milch beschleunigt den Abbau von Alkohol in der Muttermilch nicht.[6]
Rauchen kann die Milchmenge reduzieren
Nikotin kann die Milchproduktion beeinträchtigen. Die CDC weist darauf hin, dass Rauchen mit einer verminderten Milchmenge in Verbindung steht. Auch E-Zigaretten können Nikotin und andere potenziell schädliche Stoffe enthalten.
Ein Rauchstopp ist deshalb die beste Möglichkeit, die Belastung für Mutter und Kind zu reduzieren. Wenn das Aufhören nicht sofort gelingt, sollte trotzdem weiter nach Möglichkeiten gesucht werden, die Belastung des Babys zu verringern und Unterstützung beim Rauchstopp zu erhalten.[7]
Wann sollte man ärztliche oder fachliche Hilfe suchen?
Bei einem gesunden, gut zunehmenden Baby besteht meist kein Grund zur Panik, wenn sich die Brust zeitweise weicher anfühlt oder das Baby häufiger trinken möchte. Bei konkreten Anzeichen einer unzureichenden Milchaufnahme sollte jedoch frühzeitig Hilfe gesucht werden.
Besonders wichtig ist eine rasche Abklärung, wenn das Baby deutlich zu wenig zunimmt, ungewöhnlich schläfrig oder schwach wirkt, deutlich weniger nasse Windeln hat oder Anzeichen einer Austrocknung zeigt.
Auch bei der Mutter sollte eine medizinische Abklärung erfolgen, wenn die Milchproduktion plötzlich und deutlich zurückgeht oder trotz geeigneter Maßnahmen dauerhaft sehr niedrig bleibt. Eine Hebamme oder qualifizierte Stillberaterin kann zusätzlich prüfen, ob Anlegen, Position und Trinktechnik optimiert werden können.
Fazit
Das Gefühl, dass keine oder zu wenig Muttermilch vorhanden ist, bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich eine Unterversorgung besteht. Entscheidend sind vor allem das effektive Trinken des Babys, die Gewichtsentwicklung und altersgerechte Ausscheidung.
Eine echte geringe Milchproduktion kann unter anderem durch zu seltenes oder ineffektives Stillen, Probleme beim Anlegen, gesundheitliche Faktoren, bestimmte Medikamente oder Schwierigkeiten beim Baby entstehen. Häufig lässt sich die Situation verbessern, wenn die Ursache früh erkannt und die Milchbildung gezielt unterstützt wird.
Bei Unsicherheit sollte nicht allein anhand des Brustgefühls oder der abgepumpten Milchmenge entschieden werden. Eine professionelle Beurteilung kann helfen, festzustellen, ob das Baby tatsächlich zu wenig Milch erhält und welche Maßnahmen sinnvoll sind.
Quellen [+]
[1] CDC: How Much and How Often to Breastfeed – Informationen zur Häufigkeit des Stillens und Milchbildung. https://www.cdc.gov/infant-toddler-nutrition/breastfeeding/how-much-and-how-often.html
[2] NHS: Breastfeeding – is my baby getting enough milk? Informationen zu Ursachen einer geringen Milchmenge und zur Beurteilung der Milchversorgung. https://www.nhs.uk/baby/breastfeeding-and-bottle-feeding/breastfeeding-problems/enough-milk/
[3] CDC: Newborn Breastfeeding Basics – Anlegen, Schlucken und Aufbau der Milchversorgung. https://www.cdc.gov/infant-toddler-nutrition/breastfeeding/newborn-basics.html
[4] NHS: Milk supply – Informationen zum Prinzip von Angebot und Nachfrage und zur Unterstützung der Milchproduktion. https://www.nhs.uk/best-start-in-life/baby/feeding-your-baby/breastfeeding/breastfeeding-challenges/milk-supply/
[5] CDC: Maternal Diet and Breastfeeding – Empfehlungen zu Ernährung und Koffein während der Stillzeit. https://www.cdc.gov/breastfeeding-special-circumstances/hcp/diet-micronutrients/maternal-diet.html
[6] CDC: Alcohol – Informationen zu Alkohol und Stillen. https://www.cdc.gov/breastfeeding-special-circumstances/hcp/vaccine-medication-drugs/alcohol.html
[7] CDC: Tobacco and Electronic Cigarettes – Auswirkungen von Rauchen und Nikotin auf die Milchproduktion. https://www.cdc.gov/breastfeeding-special-circumstances/hcp/vaccine-medication-drugs/tobacco.html
