Unregelmäßige Periode beim Stillen: Ursachen, Dauer und was normal ist
Nach einer Geburt verändert sich der weibliche Hormonhaushalt deutlich. Besonders während des Stillens kann sich die Menstruation deshalb verändern: Die Periode kann ausbleiben, unregelmäßig auftreten, schwächer oder zeitweise auch stärker sein.
Der wichtigste Grund dafür ist die hormonelle Wirkung des Stillens. Häufige und regelmäßige Stillmahlzeiten fördern die Ausschüttung des Hormons Prolaktin, das für die Milchbildung benötigt wird und gleichzeitig die für den Eisprung notwendigen hormonellen Abläufe beeinflussen kann. Dadurch kann die Rückkehr der Menstruation verzögert werden.
Unregelmäßige Blutungen während der Stillzeit sind daher häufig nicht ungewöhnlich. Trotzdem sollte nicht jede Veränderung automatisch auf das Stillen zurückgeführt werden. Auch eine neue Schwangerschaft, hormonelle Verhütungsmethoden, Schilddrüsenerkrankungen oder andere gesundheitliche Ursachen können eine Rolle spielen.
Warum ist die Periode beim Stillen unregelmäßig?
Während der Schwangerschaft verändern sich die Konzentrationen verschiedener Sexualhormone. Nach der Geburt stellt sich der Hormonhaushalt allmählich wieder um. Wenn die Mutter stillt, bleibt das Hormon Prolaktin erhöht und unterstützt die Milchproduktion.
Häufiges Stillen kann dabei die Aktivität der Eierstöcke und den Eisprung unterdrücken. Deshalb bleibt die Menstruation bei manchen Frauen über mehrere Monate aus. Bei anderen kommt sie bereits relativ früh zurück, obwohl weiterhin gestillt wird.
Wie schnell sich der Zyklus wieder einpendelt, ist individuell verschieden. Es gibt deshalb keinen festen Zeitpunkt, an dem jede stillende Frau wieder regelmäßig menstruieren muss.
Welche Veränderungen der Periode können beim Stillen auftreten?
Wenn die Menstruation nach der Geburt wieder einsetzt, muss sie zunächst nicht genauso aussehen wie vor der Schwangerschaft. Möglich sind beispielsweise:
- unterschiedlich lange Abstände zwischen den Blutungen
- eine schwächere oder stärkere Blutung
- eine kürzere oder längere Menstruation
- gelegentliches Ausbleiben einer Blutung
- leichte Schmierblutungen zwischen den Perioden
- veränderte Menstruationsbeschwerden oder Krämpfe
Solche Veränderungen können insbesondere in der ersten Zeit nach der Rückkehr der Menstruation auftreten. Wenn die Unregelmäßigkeiten jedoch länger bestehen bleiben oder ungewöhnlich starke Beschwerden hinzukommen, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Welche Rolle spielt Prolaktin?
Prolaktin ist vor allem für die Bildung der Muttermilch wichtig. Häufiges Saugen an der Brust stimuliert seine Ausschüttung. Gleichzeitig beeinflusst Prolaktin die hormonelle Steuerung des Eisprungs.
Deshalb kann intensives und häufiges Stillen dazu führen, dass der Eisprung zunächst ausbleibt und die Menstruation nicht zurückkehrt. Wird seltener gestillt, werden längere Pausen zwischen den Stillmahlzeiten eingelegt oder beginnt das Kind zusätzliche Nahrung zu erhalten, kann die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr des Eisprungs und der Periode steigen.
Wann kommt die Periode nach der Geburt zurück?
Der Zeitpunkt ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Bei Frauen, die nicht oder nur teilweise stillen, kann die erste Menstruation bereits einige Wochen nach der Geburt auftreten. Bei vollständigem Stillen, insbesondere wenn auch nachts regelmäßig gestillt wird, kann sie deutlich länger ausbleiben.
Auch nach dem ersten Einsetzen der Menstruation muss der Zyklus nicht sofort regelmäßig sein. Der Körper benötigt möglicherweise mehrere Zyklen, bis sich die hormonelle Situation stabilisiert.
Ein längeres Ausbleiben der Periode kann während des Stillens normal sein. Allerdings sollten andere mögliche Ursachen berücksichtigt werden, wenn die Blutung unerwartet ausbleibt oder zusätzliche Beschwerden auftreten.
Kann man während des Stillens schwanger werden?
Ja. Stillen bietet keinen automatisch zuverlässigen Schutz vor einer Schwangerschaft.
Besonders wichtig ist, dass ein Eisprung vor der ersten Menstruation stattfinden kann. Deshalb kann eine Frau schwanger werden, bevor sie überhaupt ihre erste Periode nach der Geburt bekommt.
Wer eine erneute Schwangerschaft vermeiden möchte, sollte deshalb auch während der Stillzeit eine geeignete Verhütungsmethode verwenden.
Wann kann Stillen als Verhütung dienen?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann die sogenannte Laktationsamenorrhö-Methode (LAM) das Schwangerschaftsrisiko deutlich reduzieren. Sie funktioniert jedoch nur, wenn bestimmte Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind.
Nach den Kriterien der CDC müssen insbesondere folgende Voraussetzungen gegeben sein:
- Die Menstruation ist seit der Geburt noch nicht wieder aufgetreten.
- Das Baby ist jünger als sechs Monate.
- Das Kind wird vollständig oder nahezu vollständig gestillt.
- Die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten sind kurz – ungefähr höchstens vier Stunden am Tag und sechs Stunden in der Nacht.
Wenn eine dieser Voraussetzungen nicht mehr erfüllt ist, sollte nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Laktationsamenorrhö-Methode einen ausreichenden Empfängnisschutz bietet.
Kann die Periode trotz Stillen regelmäßig sein?
Ja. Nicht jede stillende Frau verliert ihre Periode vollständig. Bei manchen Frauen kehrt die Menstruation bereits wenige Wochen oder Monate nach der Geburt zurück und kann trotz weiterer Stillmahlzeiten relativ regelmäßig auftreten.
Auch die Häufigkeit des Stillens beeinflusst den Zeitpunkt der Rückkehr der Menstruation. Wenn das Baby beispielsweise länger durchschläft, weniger häufig gestillt wird oder zusätzliche Nahrung erhält, kann sich der Hormonhaushalt verändern.
Deshalb lässt sich aus dem Zeitpunkt der ersten Periode nicht zuverlässig ableiten, wie viel oder wie lange eine Frau stillt.
Welche anderen Ursachen können hinter einer unregelmäßigen Periode stecken?
Stillen ist eine häufige Ursache für Zyklusveränderungen nach der Geburt. Es gibt jedoch weitere mögliche Gründe.
Eine erneute Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft sollte insbesondere dann berücksichtigt werden, wenn die Menstruation bereits zurückgekehrt war und anschließend erneut ausbleibt. Auch während des Stillens ist eine Schwangerschaft möglich.
Hormonelle Verhütung
Bestimmte hormonelle Verhütungsmethoden können Schmierblutungen, unregelmäßige Blutungen oder ein Ausbleiben der Menstruation verursachen. Dazu gehören unter anderem die Gestagenpille, Hormonimplantate und hormonelle Intrauterinsysteme.
Gewichtsveränderungen
Starke Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme kann den Menstruationszyklus beeinflussen. Auch eine sehr geringe Energiezufuhr oder intensive körperliche Belastung kann zu Zyklusveränderungen beitragen.
Schilddrüsenerkrankungen
Störungen der Schilddrüsenfunktion können ebenfalls mit unregelmäßigen oder ausbleibenden Perioden verbunden sein. Wenn zusätzlich beispielsweise starke Müdigkeit, deutliche Gewichtsveränderungen oder andere ungewöhnliche Beschwerden auftreten, kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein.
Stress und andere hormonelle Veränderungen
Auch psychischer Stress kann den Menstruationszyklus beeinflussen. Nach einer Geburt kommen zudem Schlafmangel, körperliche Belastung und die allgemeine hormonelle Umstellung hinzu.
Was ist der Unterschied zwischen Wochenfluss und Menstruation?
Eine wichtige Unterscheidung betrifft die Blutung unmittelbar nach der Geburt. Der sogenannte Wochenfluss ist keine normale Menstruation. Er entsteht durch die Rückbildung der Gebärmutter und die Heilung der Gebärmutterinnenfläche nach der Geburt.
Der Wochenfluss kann zunächst stärker sein und wird im Verlauf normalerweise schwächer und verändert seine Farbe. Während des Stillens können sich die Blutung und leichte Krämpfe vorübergehend verstärken, weil das Stillen Kontraktionen der Gebärmutter fördert.
Die erste tatsächliche Menstruation nach der Geburt kann erst deutlich später auftreten.
Wann sollte man wegen einer unregelmäßigen Periode zum Arzt?
Eine unregelmäßige Periode während der Stillzeit ist häufig harmlos. Trotzdem gibt es Situationen, in denen eine ärztliche Untersuchung sinnvoll ist.
Eine gynäkologische Abklärung ist insbesondere empfehlenswert bei:
- sehr starken oder ungewöhnlich langen Blutungen
- wiederkehrenden Blutungen zwischen den Perioden
- starken oder zunehmenden Unterbauchschmerzen
- Fieber oder ungewöhnlichem vaginalem Ausfluss
- Schwindel, ausgeprägter Schwäche oder Kreislaufproblemen
- einem unerwarteten Ausbleiben der Periode bei möglicher Schwangerschaft
- anhaltend stark unregelmäßigen Zyklen nach der Rückkehr der Menstruation
Bei sehr starken Blutungen, Kreislaufproblemen oder starken Schmerzen sollte die medizinische Abklärung zeitnah erfolgen.
Was kann man selbst tun?
In vielen Fällen ist keine spezielle Behandlung notwendig. Wenn die Zyklusveränderungen durch das Stillen und die normale hormonelle Umstellung verursacht werden, normalisieren sie sich häufig mit der Zeit.
Hilfreich ist es, die Blutungen und Zykluslängen zu dokumentieren. So lässt sich leichter erkennen, ob sich der Zyklus allmählich stabilisiert oder ob bestimmte Veränderungen wiederholt auftreten.
Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und möglichst viel Erholung unterstützen die allgemeine Erholung nach der Geburt. Eine spezielle Diät ist jedoch normalerweise nicht erforderlich, nur um die Menstruation während des Stillens zu regulieren.
Kann die Menstruation die Milchmenge beeinflussen?
Wenn die Menstruation zurückkehrt, kann sich das Stillen vorübergehend anders anfühlen. Manche Frauen bemerken beispielsweise Veränderungen der Brustempfindlichkeit oder des Stillverhaltens des Kindes.
Die Rückkehr der Menstruation bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Stillen beendet werden muss. Wenn Unsicherheit über die Milchmenge oder die Ernährung des Babys besteht, kann eine Hebamme, Stillberaterin oder Kinderärztin beziehungsweise ein Kinderarzt weiterhelfen.
Unregelmäßige Periode beim Stillen: Was ist normal?
Während der Stillzeit kann der Menstruationszyklus deutlich anders sein als vor der Schwangerschaft. Eine ausbleibende oder unregelmäßige Periode kann insbesondere bei häufigem und vollständigem Stillen eine normale Folge der hormonellen Veränderungen sein.
Gleichzeitig sollte eine unregelmäßige Periode nicht grundsätzlich dem Stillen zugeschrieben werden. Schwangerschaft, hormonelle Verhütung, Gewichtsveränderungen, Schilddrüsenprobleme und andere Ursachen kommen ebenfalls infrage.
Fazit
Eine unregelmäßige oder ausbleibende Periode während des Stillens ist häufig und hängt vor allem mit den hormonellen Veränderungen nach der Geburt zusammen. Das Stillhormon Prolaktin kann den Eisprung unterdrücken und dadurch die Rückkehr der Menstruation verzögern.
Wie schnell die Periode wiederkommt, ist individuell unterschiedlich. Bei manchen Frauen bleibt sie während des Stillens längere Zeit aus, während andere bereits nach einigen Wochen oder Monaten wieder menstruieren.
Wichtig ist: Das Ausbleiben der Periode bedeutet nicht automatisch, dass keine Schwangerschaft möglich ist. Der erste Eisprung kann vor der ersten Menstruation stattfinden. Wer eine Schwangerschaft vermeiden möchte, sollte deshalb eine geeignete Verhütung wählen.
Bei sehr starken Blutungen, starken Schmerzen, Fieber, ungewöhnlichem Ausfluss oder anhaltenden Zyklusproblemen ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll.
Quellen [+]
[1] NHS: Your body after the birth – Blutungen und Rückkehr der Periode nach der Geburt. https://www.nhs.uk/pregnancy/labour-and-birth/your-body/
[2] NHS: Sex and contraception after birth – Stillen und Verhütung. https://www.nhs.uk/baby/support-and-services/sex-and-contraception-after-birth/
[3] CDC: Lactational Amenorrhea Method (LAM). https://www.cdc.gov/contraception/hcp/usmec/lactational-amenorrhea-method.html
[4] ACOG: Amenorrhea – Ausbleiben der Periode und mögliche Ursachen. https://www.acog.org/womens-health/faqs/amenorrhea-absence-of-periods
[5] NHS: Missed or late periods – Ursachen verspäteter oder ausbleibender Perioden. https://www.nhs.uk/symptoms/missed-or-late-periods/
[6] NHS: Irregular periods – Ursachen und medizinische Abklärung. https://www.nhs.uk/symptoms/irregular-periods/
[7] ACOG: Postpartum Birth Control – Verhütung nach der Geburt und LAM. https://www.acog.org/womens-health/faqs/postpartum-birth-control
