Schmerzen im Kopf hinter dem linken Ohr: Ursachen, Diagnose und Behandlung
Schmerzen im Kopf hinter dem linken Ohr können von unterschiedlichen Strukturen ausgehen. Neben Erkrankungen des Ohrs kommen unter anderem gereizte Nerven, Beschwerden der Halswirbelsäule, Kiefergelenksprobleme oder Verletzungen der Nackenregion infrage. Auch wenn die Beschwerden häufig harmlos sind, lässt sich die Ursache allein anhand der Schmerzstelle nicht sicher bestimmen.
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn zusätzlich Fieber, eine Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr, Hörprobleme, neurologische Ausfälle oder ein plötzlich einsetzender, ungewöhnlich starker Kopfschmerz auftreten. Solche Beschwerden können eine rasche medizinische Abklärung erforderlich machen.
Welche Ursachen kommen bei Schmerzen hinter dem linken Ohr infrage?
Die Region hinter dem Ohr liegt an der Schnittstelle verschiedener anatomischer Strukturen. Dort befinden sich unter anderem der Warzenfortsatz des Schläfenbeins, Nerven, Muskeln und Ansatzstellen der Halsmuskulatur. Deshalb kann der Schmerz zwar hinter dem Ohr empfunden werden, seine eigentliche Ursache aber beispielsweise im Nacken oder Kiefer liegen.
1. Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis)
Eine Mastoiditis ist eine seltene, aber ernst zu nehmende bakterielle Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr. Sie tritt häufig im Zusammenhang mit einer vorausgegangenen oder nicht ausreichend behandelten Mittelohrentzündung auf. Typische Anzeichen sind Schmerzen oder Druckempfindlichkeit hinter dem Ohr, Rötung und Schwellung. Zusätzlich können Fieber, Ohrsekret, Kopfschmerzen oder eine Hörminderung auftreten. [1]
Bei einer sichtbaren Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr, Fieber, Ohrsekret oder einer neuen Hörminderung sollte deshalb zeitnah ärztliche Hilfe gesucht werden. Eine Mastoiditis muss rasch diagnostiziert und behandelt werden, da sich die Infektion ausbreiten und schwerwiegende Komplikationen verursachen kann. [1]
2. Okzipitalneuralgie
Eine weitere mögliche Ursache ist die sogenannte Okzipitalneuralgie. Dabei handelt es sich um einen Nervenschmerz im Versorgungsgebiet der Hinterhauptsnerven. Die Schmerzen beginnen häufig im oberen Nacken beziehungsweise am Hinterkopf und können bis hinter die Ohren oder weiter nach vorne ausstrahlen. Typisch sind anfallsartige, stechende, einschießende oder elektrisierend wirkende Schmerzen. [2] [3]
Die Beschwerden können einseitig auftreten und durch Druck oder bestimmte Bewegungen verstärkt werden. Eine Reizung oder Kompression der betreffenden Nerven kann dabei eine Rolle spielen. Allerdings lässt sich aus der Schmerzlokalisation allein nicht zuverlässig auf eine Okzipitalneuralgie schließen; andere Ursachen müssen berücksichtigt werden. [2]
3. Beschwerden der Halswirbelsäule und zervikogener Kopfschmerz
Auch Erkrankungen oder Verletzungen der Halswirbelsäule können Schmerzen verursachen, die vom Nacken in den Hinterkopf und bis in die Region hinter dem Ohr ausstrahlen. Beim zervikogenen Kopfschmerz liegt die Ursache nach den Kriterien der International Headache Society in einer Störung oder Läsion im Bereich der Halswirbelsäule oder des angrenzenden Weichteilgewebes. [4]
Hinweise können unter anderem eine eingeschränkte Beweglichkeit des Nackens oder eine deutliche Verschlechterung der Kopfschmerzen bei bestimmten Nackenbewegungen sein. Die Diagnose setzt jedoch eine ärztliche Beurteilung voraus, da ähnliche Beschwerden auch bei anderen Kopfschmerzformen vorkommen können. [4]
4. Schleudertrauma und andere Nackenverletzungen
Nach einem Verkehrsunfall, Sturz oder einer Sportverletzung kann eine schnelle, ruckartige Bewegung des Kopfes zu einem Schleudertrauma führen. Typische Beschwerden sind Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen. Die Symptome müssen nicht unmittelbar nach dem Ereignis auftreten, sondern können sich auch erst einige Stunden später bemerkbar machen. [5]
Bei starken Schmerzen nach einer Verletzung oder bei zusätzlichen Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Schwäche oder Problemen beim Gehen sollte die Verletzung ärztlich beurteilt werden. [5]
5. Kiefergelenksbeschwerden
Auch eine Funktionsstörung des Kiefergelenks kann Schmerzen in der Nähe des Ohres und im Gesicht verursachen. Unter dem Begriff temporomandibuläre Dysfunktionen werden verschiedene Erkrankungen des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur zusammengefasst. Zu den möglichen Beschwerden gehören Schmerzen im Kieferbereich, eine eingeschränkte Mundöffnung sowie Schmerzen, die in Gesicht oder Nacken ausstrahlen können. Kopfschmerzen können ebenfalls mit solchen Kiefergelenksbeschwerden verbunden sein. [6]
Eine Beteiligung des Kiefergelenks ist insbesondere dann denkbar, wenn die Beschwerden beim Kauen oder Öffnen des Mundes auftreten oder gleichzeitig eine schmerzhafte Einschränkung der Kieferbewegung besteht. Für die Diagnose kommen je nach Befund eine Untersuchung von Kopf, Gesicht, Kiefer und Nacken sowie gegebenenfalls bildgebende Verfahren infrage. [6]
6. Zahn- oder Mundprobleme
Schmerzen aus dem Mund- und Zahnbereich können in benachbarte Regionen ausstrahlen und deshalb auch in der Nähe des Ohres wahrgenommen werden. Bei Ohrenschmerzen können beispielsweise Zahnerkrankungen zu den möglichen Ursachen gehören. [7]
Begleitende Zahnschmerzen, Schmerzen beim Kauen oder Beschwerden an einem bestimmten Zahn sprechen eher für eine zahnmedizinische Ursache und sollten entsprechend abgeklärt werden.
Wie stellt der Arzt die Ursache fest?
Die genaue Ursache von Schmerzen hinter dem linken Ohr lässt sich nicht allein anhand der Schmerzstelle bestimmen. Entscheidend sind deshalb die Krankengeschichte, die Art und Dauer der Schmerzen sowie mögliche Begleitsymptome.
Bei der Untersuchung können unter anderem Ohr, Kiefer, Kopf und Halswirbelsäule beurteilt werden. Je nach Verdacht kommen zusätzliche Untersuchungen hinzu. Bei Erkrankungen des Kiefergelenks können beispielsweise Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie sinnvoll sein. [6]
Bei Verdacht auf eine Okzipitalneuralgie kann eine gezielte Untersuchung des betroffenen Nervengebiets erfolgen. Eine diagnostische Nervenblockade kann in geeigneten Fällen dazu beitragen, die Diagnose zu bestätigen. [2]
Nach einem Halswirbelsäulentrauma richtet sich die weitere Diagnostik nach Verletzungsmechanismus, Beschwerden und Untersuchungsergebnis. Bildgebende Verfahren werden insbesondere dann eingesetzt, wenn Hinweise auf eine strukturelle Verletzung bestehen.
Was kann man zunächst selbst gegen die Beschwerden tun?
Bei leichten Kopfschmerzen ohne Warnzeichen können zunächst einfache Maßnahmen helfen. Dazu gehören ausreichend Flüssigkeit, Ruhe und die Reduzierung von Stress. Bei manchen Menschen können auch frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol infrage kommen, sofern keine persönlichen Gegenanzeigen bestehen. [8]
Bei Beschwerden, die offensichtlich mit einer Verspannung des Nackens zusammenhängen, kann eine vorsichtige Bewegung im schmerzfreien Bereich sinnvoll sein. Nach einem Schleudertrauma wird dagegen von längerer Ruhigstellung des Nackens mit einer Halskrause abgeraten; eine normale, soweit mögliche Alltagsaktivität kann die Erholung unterstützen. [5]
Bei wiederkehrenden oder anhaltenden Schmerzen sollte jedoch nicht dauerhaft auf Selbstbehandlung gesetzt werden. Die Ursache sollte ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn die Beschwerden zunehmen oder immer wieder auftreten. [8]
Wann sind Schmerzen hinter dem Ohr ein Notfall?
Ein plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz muss sofort medizinisch abgeklärt werden. Gleiches gilt bei Kopfschmerzen mit Lähmungs- oder Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Sehstörungen oder deutlichen Problemen beim Gehen und Gleichgewicht. [8]
Auch sehr starke Kopfschmerzen zusammen mit hohem Fieber und Nackensteifigkeit oder nach einer Kopfverletzung erfordern eine dringende medizinische Beurteilung. [8]
Bei Schmerzen unmittelbar hinter dem Ohr sind außerdem eine deutliche Schwellung oder Rötung, Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr, Fieber oder eine neu aufgetretene Hörminderung wichtige Warnzeichen. Diese Beschwerden können unter anderem bei einer Mastoiditis vorkommen und sollten rasch ärztlich untersucht werden. [1]
Fazit
Schmerzen im Kopf hinter dem linken Ohr sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom mit verschiedenen möglichen Ursachen. Neben Problemen des Ohres können insbesondere Nervenreizungen, Beschwerden der Halswirbelsäule, Verletzungen, Kiefergelenksstörungen oder Zahnerkrankungen dahinterstecken.
Entscheidend sind deshalb nicht nur die genaue Stelle des Schmerzes, sondern auch sein Charakter, sein zeitlicher Verlauf und mögliche Begleitsymptome. Bei anhaltenden, wiederkehrenden oder zunehmenden Beschwerden sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Treten plötzlich sehr starke Kopfschmerzen oder neurologische beziehungsweise ausgeprägte Infektionszeichen auf, ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich. [8]
Quellen [+]
[1] NHS: Mastoiditis. 2026. https://www.nhs.uk/conditions/mastoiditis/
[2] National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS): Headache. https://www.ninds.nih.gov/node/667
[3] StatPearls / NCBI Bookshelf: Occipital Neuralgia. Aktualisierte Fachübersicht. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK538281/
[4] International Headache Society: ICHD-3 – Cervicogenic headache. https://ichd-3.org/11-headache-or-facial-pain-attributed-to-disorder-of-the-cranium-neck-eyes-ears-nose-sinuses-teeth-mouth-or-other-facial-or-cervical-structure/11-2-headache-attributed-to-disorder-of-the-neck/11-2-1-cervicogenic-headache/
[5] NHS: Whiplash. 2026. https://www.nhs.uk/conditions/whiplash/
National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR): TMD – Temporomandibular Disorders. Aktualisierte Fachinformation. https://www.nidcr.nih.gov/health-info/tmd
NHS: Earache. 2025. https://www.nhs.uk/symptoms/earache/
NHS: Headaches. 2024. https://www.nhs.uk/symptoms/headaches/
