Brustwarzenschmerzen beim Stillen: Ursachen, Behandlung und Tipps
Schmerzen an den Brustwarzen gehören besonders in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt zu den häufigen Stillproblemen. Eine gewisse Empfindlichkeit kann am Anfang vorkommen. Starkes, anhaltendes oder bei jeder Stillmahlzeit auftretendes Schmerzen sollte jedoch nicht einfach hingenommen werden.
Sehr häufig liegt die Ursache darin, dass das Baby nicht optimal an der Brust angelegt ist. Dadurch wird die Brustwarze beim Saugen ungünstig belastet und kann wund werden, einreißen oder sogar bluten. Daneben kommen unter anderem Milchstau, eine Brustentzündung, Infektionen oder Probleme beim Stillen selbst als Ursache infrage.[1] [2]
Warum tun die Brustwarzen beim Stillen weh?
Die häufigste Ursache für Brustwarzenschmerzen ist eine ungünstige Position oder ein nicht korrektes Anlegen des Babys. Wenn die Brustwarze zu weit vorne im Mund des Babys liegt, kann sie zwischen den härteren Teilen des Gaumens eingequetscht werden. Dadurch entstehen Schmerzen und mit der Zeit möglicherweise kleine Verletzungen.
Bei einem guten Anlegen sollte das Baby nicht nur die Brustwarze, sondern einen größeren Teil des Warzenhofs im Mund haben. Das Stillen sollte dann nach der ersten kurzen Saugphase nicht dauerhaft schmerzhaft sein.[1]
Häufige Ursachen von Brustwarzenschmerzen
1. Falsches Anlegen
Ein nicht optimales Anlegen ist eine der häufigsten Ursachen für wunde Brustwarzen. Typische Hinweise können sein, dass die Brustwarze nach dem Stillen abgeflacht, keilförmig oder auffällig weiß erscheint.
Auch wenn das Baby während des Stillens häufig abrutscht, unruhig ist oder die Mutter bei praktisch jeder Mahlzeit Schmerzen hat, sollte die Stillposition überprüft werden.
Eine Hebamme, Stillberaterin oder andere qualifizierte Fachperson kann direkt beobachten, wie das Baby angelegt wird, und gegebenenfalls kleine Veränderungen an Position und Anlegetechnik zeigen.[1]
2. Wunde, rissige oder blutende Brustwarzen
Durch wiederholte Reibung und falsches Anlegen können kleine Risse entstehen. Die Brustwarzen können dadurch empfindlich, wund oder blutig werden.
Bei Rissen oder Blutungen sollte frühzeitig Unterstützung gesucht werden, da beschädigte Haut das Risiko für weitere Beschwerden und Infektionen erhöhen kann.[1]
Wenn die Brustwarzen bereits verletzt sind, sollte die Ursache der Verletzung behoben werden. Nur die Haut zu pflegen, ohne das Anlegen zu korrigieren, reicht häufig nicht aus.
3. Milchstau und pralle Brust
Wenn sich die Brust stark mit Milch füllt, kann sie hart, gespannt und schmerzhaft werden. Eine stark gespannte Brust kann es dem Baby außerdem erschweren, die Brust richtig zu erfassen.
Regelmäßiges Stillen nach Bedarf kann helfen, die Brust zu entlasten. Bei starker Spannung kann vorsichtig etwas Milch von Hand ausgestrichen werden, um die Beschwerden zu lindern. Dabei sollte jedoch nicht unnötig viel Milch abgepumpt werden, da dies die Milchproduktion zusätzlich stimulieren kann.[3]
4. Mastitis
Eine Mastitis ist eine Entzündung des Brustgewebes. Sie kann mit Schmerzen, Schwellung, Wärme und einer verhärteten Stelle einhergehen. Manche Betroffene entwickeln zusätzlich Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit oder ein allgemeines Krankheitsgefühl.
Eine Mastitis betrifft häufig nur eine Brust und kann sich relativ schnell entwickeln. Bei solchen Beschwerden sollte die Situation aufmerksam beobachtet und bei fehlender Besserung medizinisch abgeklärt werden.[4]
5. Pilzinfektion der Brustwarze
Auch eine Pilzinfektion mit Candida kann Schmerzen an Brustwarze oder Brust verursachen. Mögliche Hinweise sind brennende Schmerzen, Juckreiz, empfindliche Brustwarzen sowie eine glänzende oder sich schälende Haut.
Beim Baby können gleichzeitig weiße Beläge im Mund auftreten, die sich nicht einfach abwischen lassen. Da ähnliche Beschwerden auch andere Ursachen haben können, sollte eine vermutete Pilzinfektion medizinisch beurteilt werden.[5]
6. Zungenband oder Schwierigkeiten des Babys
Bei manchen Babys kann ein verkürztes Zungenband die Beweglichkeit der Zunge einschränken. Dadurch kann das Baby Schwierigkeiten haben, die Brust effektiv zu erfassen und Milch zu trinken. Die Folge können wiederkehrende Schmerzen oder Verletzungen der Brustwarze sein.
Ein Zungenband ist jedoch nicht automatisch die Ursache für jedes Stillproblem. Deshalb sollte zunächst die gesamte Stillsituation von einer qualifizierten Fachperson beurteilt werden.
7. Falsche Verwendung einer Milchpumpe
Auch eine Milchpumpe kann Schmerzen oder Verletzungen verursachen, wenn der Aufsatz nicht richtig passt oder die Saugstärke zu hoch eingestellt ist.
Bei Schmerzen, Druckstellen oder Verletzungen sollte die Größe des Pumpaufsatzes und die verwendete Saugstärke überprüft werden. Bei anhaltenden Problemen kann eine Still- oder Laktationsberatung helfen.[6]
Was hilft gegen schmerzende Brustwarzen?
Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die Ursache der Schmerzen zu beseitigen. Bei einem falschen Anlegen bringt es wenig, lediglich die Brustwarze zu behandeln, wenn sie bei jeder Stillmahlzeit erneut belastet wird.
- Das Anlegen und die Position des Babys überprüfen lassen.
- Das Baby möglichst nach Bedarf stillen.
- Bei wunden Brustwarzen die Stillmahlzeiten nicht eigenständig verkürzen, da dies die Milchversorgung beeinträchtigen kann.
- Stilleinlagen regelmäßig wechseln, wenn sie feucht sind.
- Die Brustwarzen nach dem Stillen möglichst trocknen lassen.
- Auf einen gut sitzenden, nicht einschnürenden BH achten.
- Bei Rissen kann etwas abgepumpte Muttermilch auf die Brustwarze gegeben werden.
- Bei starken oder anhaltenden Beschwerden professionelle Stillhilfe in Anspruch nehmen.
Seife kann die Haut zusätzlich austrocknen und sollte deshalb nicht regelmäßig auf den Brustwarzen verwendet werden.[1]
Sollte man trotz Schmerzen weiterstillen?
In den meisten Fällen muss das Stillen wegen wunder Brustwarzen nicht grundsätzlich beendet werden. Entscheidend ist, die Ursache zu finden und das Stillen möglichst schmerzarm zu gestalten.
Wenn das Stillen vorübergehend zu schmerzhaft ist, kann das Abpumpen oder vorsichtige Ausstreichen der Milch eine Alternative sein, damit die Milchbildung weiterhin angeregt wird. Bei einer Mastitis wird ebenfalls grundsätzlich empfohlen, das Stillen nicht plötzlich abzubrechen.[1] [4]
Ein plötzliches Beenden des Stillens kann bei bestimmten Brustproblemen die Beschwerden sogar verschlimmern.
Kälte oder Wärme bei Brustschmerzen?
Bei einer schmerzhaften oder geschwollenen Brust kann eine kalte Kompresse zwischen den Stillmahlzeiten die Schmerzen und Schwellung lindern.
Bei einem Milchstau kann vorsichtige Wärme unmittelbar vor dem Stillen oder Ausstreichen den Milchfluss erleichtern. Starke oder lang anhaltende Wärme sollte jedoch vermieden werden, da sie die Entzündungsreaktion verstärken kann.[3]
Welche Schmerzmittel sind beim Stillen möglich?
Bei stärkeren Schmerzen können bestimmte Schmerzmittel auch während der Stillzeit verwendet werden. Paracetamol gilt grundsätzlich als bevorzugtes Schmerzmittel bei leichten bis mäßigen Schmerzen während des Stillens. Auch Ibuprofen kann häufig eingesetzt werden, insbesondere wenn zusätzlich eine entzündungshemmende Wirkung benötigt wird.[7] [8]
Medikamente sollten trotzdem entsprechend der Packungsbeilage und der individuellen Situation angewendet werden. Bei Unsicherheit, bestehenden Erkrankungen, anderen Medikamenten oder einem Frühgeborenen sollte vorher ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.
Wann sollte man zum Arzt?
Brustwarzenschmerzen sollten fachlich abgeklärt werden, wenn sie nicht nach kurzer Zeit besser werden oder bei praktisch jeder Stillmahlzeit auftreten. Das gilt besonders bei Rissen, Blutungen oder wiederkehrenden Schmerzen.[1]
Eine zeitnahe medizinische Abklärung ist besonders wichtig bei:
- Fieber oder Schüttelfrost,
- einer heißen, geröteten oder deutlich geschwollenen Brust,
- starken oder zunehmenden Brustschmerzen,
- einer schmerzhaften oder verhärteten Stelle in der Brust,
- eitrigem oder auffälligem Ausfluss aus der Brustwarze,
- anhaltenden Rissen oder Blutungen,
- starken brennenden Schmerzen trotz korrektem Anlegen,
- Beschwerden, die trotz Selbstmaßnahmen nicht innerhalb von 12 bis 24 Stunden besser werden.
Insbesondere Fieber zusammen mit einer heißen, geschwollenen und schmerzhaften Brust kann auf eine Mastitis hindeuten und sollte ärztlich beurteilt werden.[4]
Was sollte man bei einer Mastitis vermeiden?
Bei entzündlichen Brustbeschwerden sollte die Brust nicht kräftig massiert oder stark zusammengedrückt werden. Auch sehr enge BHs oder Kleidung können Beschwerden verschlimmern.
Von einem abrupten Abstillen wird ebenfalls abgeraten. Stattdessen sollte die Milch entsprechend dem Bedarf des Babys weiter gegeben beziehungsweise vorsichtig entleert werden.[4]
Kann Brustwarzenschmerz durch eine Infektion entstehen?
Ja. Neben mechanischer Reizung können bakterielle, virale oder Pilzinfektionen Schmerzen an Brust und Brustwarze verursachen. Hinweise können zusätzlich Juckreiz, Veränderungen der Haut, Rötung, Schwellung oder ungewöhnlicher Ausfluss sein.
Da sich die Beschwerden verschiedener Ursachen überschneiden können, sollte eine länger anhaltende oder ungewöhnliche Symptomatik nicht allein mit Hausmitteln behandelt werden.[9]
So lässt sich Brustwarzenschmerz beim Stillen häufig vermeiden
- Schon früh auf eine korrekte Anlegetechnik achten.
- Bei Schmerzen nicht einfach mehrere Wochen abwarten.
- Das Baby möglichst tief und mit weit geöffnetem Mund anlegen.
- Bei wiederkehrenden Schmerzen eine Stillmahlzeit von einer Fachperson beobachten lassen.
- Stilleinlagen wechseln, wenn sie feucht sind.
- Sehr enge BHs und Kleidung vermeiden.
- Milchpumpenaufsatz und Saugstärke überprüfen.
- Bei Anzeichen einer Infektion frühzeitig medizinische Hilfe suchen.
Fazit
Brustwarzenschmerzen beim Stillen sind häufig, sollten aber nicht als notwendiger Bestandteil des Stillens betrachtet werden. Besonders häufig steckt ein ungünstiges Anlegen des Babys dahinter. Wird die Ursache früh erkannt und korrigiert, können sich die Beschwerden häufig deutlich verbessern.
Wunde oder rissige Brustwarzen, Milchstau, Mastitis, Pilzinfektionen und Probleme beim Saugen des Babys können ebenfalls Schmerzen verursachen. Bei starken, anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden ist deshalb eine frühzeitige Beratung durch Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin beziehungsweise Arzt sinnvoll.
Bei Fieber, einer heißen oder stark geschwollenen Brust, deutlichem Krankheitsgefühl oder fehlender Besserung sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Quellen [+]
[1] NHS: Sore or cracked nipples when breastfeeding – Ursachen, Anlegetechnik und Maßnahmen bei wunden Brustwarzen. https://www.nhs.uk/baby/breastfeeding-and-bottle-feeding/breastfeeding-problems/sore-nipples/
[2] CDC: What to Expect While Breastfeeding – Informationen zu wunden Brustwarzen und möglichen Ursachen von Schmerzen beim Stillen. https://www.cdc.gov/infant-toddler-nutrition/breastfeeding/what-to-expect-while-breastfeeding.html
[3] NHS: Breast pain and breastfeeding – Milchstau, Brustschwellung, Wärme, Kälte und Maßnahmen zur Schmerzlinderung. https://www.nhs.uk/baby/breastfeeding-and-bottle-feeding/breastfeeding-problems/breast-pain/
[4] NHS: Mastitis – Symptome, Ursachen, Behandlung und Hinweise zum Weiterstillen. https://www.nhs.uk/best-start-in-life/baby/feeding-your-baby/breastfeeding/breastfeeding-challenges/mastitis/
[5] NHS: Thrush – Symptome und Behandlung einer Candida-Infektion an Brustwarze und Brust während der Stillzeit. https://www.nhs.uk/best-start-in-life/baby/feeding-your-baby/breastfeeding/breastfeeding-challenges/thrush/
[6] Academy of Breastfeeding Medicine: Clinical Protocol #26 – Persistent Pain with Breastfeeding. https://www.bfmed.org/assets/DOCUMENTS/PROTOCOLS/26-persistent-pain-protocol-english.pdf
[7] NHS Specialist Pharmacy Service: Using paracetamol during breastfeeding – Hinweise zur Anwendung von Paracetamol während der Stillzeit. https://sps.nhs.uk/articles/using-paracetamol-during-breastfeeding/
[8] NHS Specialist Pharmacy Service: Using NSAIDs during breastfeeding – Informationen zu Ibuprofen während der Stillzeit. https://sps.nhs.uk/articles/using-nsaids-during-breastfeeding/
[9] NHS: Common breastfeeding problems – Übersicht über häufige Stillprobleme, Infektionen, Milchstau und Brustentzündung. https://www.nhs.uk/baby/breastfeeding-and-bottle-feeding/breastfeeding-problems/common-problems/
