Schmerzen auf der rechten Seite in der Schwangerschaft: Ursachen und Warnzeichen
Schmerzen auf der rechten Seite des Bauches oder in der Flanke sind während der Schwangerschaft nicht ungewöhnlich. Häufig stecken harmlose Veränderungen wie das Wachstum der Gebärmutter, eine Dehnung der Bänder, Blähungen oder Verstopfung dahinter. Dennoch sollte rechtsseitiger Schmerz nicht grundsätzlich als normale Begleiterscheinung der Schwangerschaft abgetan werden. Je nach Schmerzort, Schwangerschaftswoche und Begleitsymptomen können auch Erkrankungen dahinterstecken, die rasch medizinisch abgeklärt werden müssen. [1]
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Schmerzen im rechten Unterbauch, Schmerzen in der rechten Flanke und Schmerzen im rechten Oberbauch unter den Rippen. Die möglichen Ursachen unterscheiden sich deutlich.
Welche harmlosen Ursachen können rechtsseitige Schmerzen verursachen?
Dehnung der Mutterbänder
Mit dem Wachstum der Gebärmutter werden die sie umgebenden Strukturen stärker beansprucht. Eine häufige Ursache für plötzlich auftretende Schmerzen auf einer Seite des Unterbauchs ist das sogenannte Rundbandsyndrom. Der Schmerz kann stechend oder ziehend sein und beispielsweise beim Aufstehen, Umdrehen im Bett, Husten oder Niesen auftreten. [1]
Solche Beschwerden sind meist vorübergehend und bessern sich wieder, wenn die Bewegung beendet oder die Körperposition verändert wird.
Muskel- und Haltungsschmerzen
Die zunehmende Belastung des Körpers während der Schwangerschaft kann die Rücken-, Bauch- und Beckenmuskulatur beanspruchen. Eine veränderte Körperhaltung kann ebenfalls dazu führen, dass Schmerzen bis in die rechte Seite oder Flanke ausstrahlen.
Leichte Beschwerden können sich durch Ruhe, eine angenehme Körperposition und langsame Bewegungen bessern. Bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen sollte jedoch die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Blähungen und Verstopfung
Verstopfung und eingeschlossene Darmgase sind in der Schwangerschaft häufig. Sie können Druck, Krämpfe oder Schmerzen im Bauch verursachen, die auch auf einer Seite stärker wahrgenommen werden können. Leichte Beschwerden, die nach dem Stuhlgang oder dem Abgang von Darmgasen nachlassen, sind häufig weniger besorgniserregend. [1]
Ausreichend Flüssigkeit, ballaststoffreiche Lebensmittel und regelmäßige, angemessene Bewegung können bei Verstopfung hilfreich sein. Bei starken Beschwerden oder länger anhaltender Verstopfung sollte eine medizinische Beratung erfolgen.
Kann die Schwangerschaft selbst rechtsseitige Krämpfe verursachen?
Ja. Während der Schwangerschaft verändert sich die Lage und Größe der Gebärmutter. Dadurch können zeitweise Spannungsgefühle und leichte Krämpfe entstehen. Im späteren Schwangerschaftsverlauf können außerdem sogenannte Braxton-Hicks-Kontraktionen auftreten. Diese unregelmäßigen Übungswehen sind normalerweise nicht mit einer fortschreitenden Geburt gleichzusetzen.
Regelmäßige, stärker werdende oder schmerzhafte Kontraktionen sollten dagegen insbesondere vor der 37. Schwangerschaftswoche medizinisch beurteilt werden. [1]
Welche ernsteren Ursachen kommen infrage?
Eileiterschwangerschaft
Eine Eileiterschwangerschaft entsteht, wenn sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnistet, meist im Eileiter. Typisch können einseitige Unterbauchschmerzen und vaginale Blutungen sein. Auch Schulterspitzenschmerzen, Schwindel oder eine Ohnmacht können bei einer Komplikation auftreten. [2]
Eine Eileiterschwangerschaft ist ein medizinischer Notfall, wenn es zu einer Ruptur und inneren Blutungen kommt. Starke plötzlich auftretende Schmerzen, ausgeprägter Schwindel oder eine Ohnmacht erfordern deshalb sofortige medizinische Hilfe. [2]
Blinddarmentzündung
Eine Blinddarmentzündung kann Schmerzen im rechten Unterbauch verursachen. Häufig beginnt der Schmerz zunächst in der Mitte des Bauches und wandert anschließend nach rechts unten. Begleitend können Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Fieber auftreten. Während einer Schwangerschaft kann sich die Lage und Wahrnehmung des Schmerzes verändern, weshalb eine typische Schmerzlokalisation nicht immer vorhanden sein muss. [3]
Bei zunehmenden oder anhaltenden rechtsseitigen Bauchschmerzen sollte eine Blinddarmentzündung daher nicht durch Selbstbehandlung ausgeschlossen werden.
Gallensteine und Erkrankungen der Gallenblase
Schmerzen im rechten Oberbauch unterhalb der Rippen können von der Gallenblase ausgehen. Gallensteine verursachen häufig starke, anhaltende Schmerzen, die mehrere Stunden dauern können. Übelkeit und Erbrechen können hinzukommen. [4]
Wenn zusätzlich Fieber, Schüttelfrost oder eine Gelbfärbung der Haut beziehungsweise Augen auftreten, kann dies auf eine Entzündung oder einen gestörten Abfluss der Galle hinweisen und sollte dringend ärztlich beurteilt werden. [5]
Harnwegsinfektion oder Niereninfektion
Auch Erkrankungen der Harnwege können während der Schwangerschaft Bauch- oder Flankenschmerzen verursachen. Hinweise auf eine Harnwegsinfektion können Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und Veränderungen des Urins sein. Wenn zusätzlich Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen oder Flankenschmerzen auftreten, muss insbesondere an eine Beteiligung der Nieren gedacht werden. [1]
Harnwegsinfektionen sollten in der Schwangerschaft nicht ignoriert werden. Bei entsprechenden Beschwerden ist eine medizinische Untersuchung sinnvoll, damit gegebenenfalls eine für die Schwangerschaft geeignete Behandlung eingeleitet werden kann.
Rechtsseitige Schmerzen unter den Rippen: Kann Präeklampsie dahinterstecken?
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Schmerzen im rechten Oberbauch, insbesondere in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Starke oder anhaltende Schmerzen in diesem Bereich können unter anderem mit einer Präeklampsie oder einem HELLP-Syndrom zusammenhängen. [6]
Weitere Warnzeichen sind unter anderem:
- starke oder anhaltende Kopfschmerzen,
- Sehstörungen oder Lichtblitze,
- plötzliche Schwellungen von Gesicht oder Händen,
- Übelkeit und Erbrechen in der zweiten Schwangerschaftshälfte,
- Atemnot,
- erhöhter Blutdruck,
- starke Schmerzen im Oberbauch.
Eine Präeklampsie kann verschiedene Organe betreffen und schwerwiegende Komplikationen verursachen. Treten solche Symptome insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche auf, sollte unverzüglich die betreuende Ärztin, der betreuende Arzt oder die Geburtsklinik kontaktiert werden. [6]
Wann sind Schmerzen auf der rechten Seite in der Schwangerschaft ein Notfall?
Nicht jeder rechtsseitige Schmerz ist gefährlich. Starke, plötzlich auftretende oder anhaltende Schmerzen sollten jedoch medizinisch abgeklärt werden. Besonders dringlich ist dies, wenn weitere Warnzeichen hinzukommen. [1] [7]
- vaginale Blutungen oder Flüssigkeitsabgang,
- starke oder zunehmende Bauchschmerzen,
- regelmäßige schmerzhafte Kontraktionen,
- Schwindel, Schwäche oder Ohnmacht,
- starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen,
- Fieber oder Schüttelfrost,
- anhaltendes Erbrechen,
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen,
- starke Schmerzen im rechten Oberbauch,
- Atemnot,
- deutlich weniger oder keine Kindsbewegungen, wenn diese bereits regelmäßig wahrgenommen werden.
Insbesondere starke Bauchschmerzen, die plötzlich beginnen oder nicht nachlassen, gelten als wichtige Warnzeichen in der Schwangerschaft. [7]
Wie wird die Ursache der Schmerzen festgestellt?
Die Diagnose richtet sich nach der Schwangerschaftswoche, dem genauen Ort des Schmerzes und den Begleitsymptomen. Die Ärztin oder der Arzt kann unter anderem den Bauch untersuchen, Blut- und Urinuntersuchungen durchführen und je nach Verdacht eine Ultraschalluntersuchung veranlassen.
Bei Verdacht auf eine Präeklampsie werden beispielsweise Blutdruck und Urin untersucht; zusätzlich können Bluttests zur Beurteilung von Leber, Nieren und Blutplättchen erforderlich sein. [6]
Was kann man bei leichten rechtsseitigen Schmerzen tun?
Wenn die Beschwerden mild sind und keine Warnzeichen vorliegen, können zunächst einfache Maßnahmen helfen. Dazu gehören Ruhe, langsames Wechseln der Körperposition und das Vermeiden von Bewegungen, die den Schmerz auslösen. Bei Verdacht auf Verstopfung oder Blähungen können ausreichend Flüssigkeit und eine ballaststoffreiche Ernährung sinnvoll sein. [1]
Bei Medikamenten gegen Schmerzen sollte in der Schwangerschaft nicht eigenständig auf beliebige Präparate zurückgegriffen werden. Welche Schmerzmittel geeignet sind, hängt unter anderem von Schwangerschaftswoche, Dosierung und individuellen Umständen ab. Im Zweifel sollte die Einnahme mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apotheke abgestimmt werden.
Fazit
Schmerzen auf der rechten Seite können in der Schwangerschaft durch harmlose Veränderungen wie die Dehnung der Mutterbänder, Muskelverspannungen, Blähungen oder Verstopfung entstehen. Die Beschwerden können aber auch auf eine Erkrankung wie eine Eileiterschwangerschaft, Blinddarmentzündung, Gallenblasenerkrankung, Harnwegsinfektion oder – insbesondere bei Schmerzen im rechten Oberbauch – auf eine Präeklampsie hinweisen. [1] [2] [3] [4] [6]
Entscheidend sind deshalb nicht nur die Schmerzstelle, sondern auch Schwangerschaftswoche, Stärke und Dauer der Beschwerden sowie Begleitsymptome. Bei starken, anhaltenden oder plötzlich auftretenden Schmerzen und bei Blutungen, Fieber, Schwindel, Atemnot, Sehstörungen oder starken Kopfschmerzen sollte sofort medizinische Hilfe gesucht werden.
:::writingQuellen anzeigen
[1] NHS: Stomach pain in pregnancy, zuletzt geprüft 18. November 2024. https://www.nhs.uk/pregnancy/common-symptoms/stomach-pain/
[2] NHS: Ectopic pregnancy – Symptoms, Informationen zu einseitigen Schmerzen, Blutungen und Warnzeichen einer Eileiterschwangerschaft. https://www.nhs.uk/conditions/ectopic-pregnancy/symptoms/
[3] NHS: Appendicitis, Informationen zu Symptomen, Verlauf und notwendiger Behandlung einer Blinddarmentzündung. https://www.nhs.uk/conditions/appendicitis/
[4] NHS: Gallstones, Informationen zu Schmerzen durch Gallensteine und deren typischer Lokalisation. https://www.nhs.uk/conditions/gallstones/
[5] NHS: Acute cholecystitis, Informationen zu akuten Entzündungen der Gallenblase und Warnzeichen. https://www.nhs.uk/conditions/acute-cholecystitis/
[6] American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG): Preeclampsia and High Blood Pressure During Pregnancy, Informationen zu Präeklampsie, Oberbauchschmerzen und weiteren Warnzeichen. https://www.acog.org/womens-health/faqs/preeclampsia-and-high-blood-pressure-during-pregnancy
[7] American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG): Urgent Maternal Warning Signs, Informationen zu starken Bauchschmerzen und weiteren dringlichen Warnzeichen während und nach der Schwangerschaft. https://www.acog.org/giving/programs/quality-and-safety/resources
