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Bischofskraut (Khella) gegen Nierensteine: Können die Samen Steine auflösen?

Chaghaf Team
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Khella gegen Nierensteine: Können die Samen Steine auflösen?

Khella, botanisch Ammi visnaga, wird traditionell zur Behandlung von Beschwerden durch Harnsteine eingesetzt. Insbesondere die Früchte beziehungsweise Samen der Pflanze enthalten die Wirkstoffe Khellin und Visnagin, die in der Forschung wegen möglicher Wirkungen auf die Entstehung und Ausscheidung von Nierensteinen untersucht wurden. [1]

Die bisherige Studienlage ist allerdings deutlich vorsichtiger zu bewerten, als manche Empfehlungen aus der Pflanzenheilkunde vermuten lassen. Es gibt experimentelle Hinweise auf einen möglichen Nutzen bei bestimmten Formen der Steinbildung, doch hochwertige klinische Studien am Menschen sind nur sehr begrenzt vorhanden. Khella kann deshalb nicht als wissenschaftlich etablierte Methode zum Auflösen oder Entfernen von Nierensteinen angesehen werden.

Was ist Khella?

Khella ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist vor allem im Mittelmeerraum sowie in Teilen Nordafrikas und Westasiens verbreitet. In der traditionellen Medizin werden insbesondere die getrockneten Früchte verwendet. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören die Furochromone Khellin und Visnagin. [1]

Die Pflanze wird traditionell unter anderem bei Nieren- und Harnleitersteinen eingesetzt. Khellin besitzt zudem krampflösende Eigenschaften und kann die glatte Muskulatur beeinflussen. Diese pharmakologischen Eigenschaften sind ein möglicher Grund dafür, dass Khella traditionell bei Nierenkoliken und Harnsteinen verwendet wurde. [1]

Können Khella-Samen Nierensteine auflösen?

Die kurze Antwort lautet: Ein eindeutiger Nachweis für eine Steinauflösung beim Menschen fehlt.

Labor- und Tierstudien liefern zwar Hinweise auf mögliche steinhemmende Eigenschaften. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass die Einnahme von Khella-Samen bestehende Nierensteine beim Menschen auflöst oder eine medizinische Behandlung ersetzt.

Was zeigen Untersuchungen an Tieren?

Eine häufig zitierte Studie untersuchte einen wässrigen Khella-Extrakt sowie Khellin und Visnagin an Ratten, bei denen experimentell eine erhöhte Oxalatausscheidung und Kalziumoxalat-Ablagerungen in den Nieren hervorgerufen worden waren. Die Behandlung mit dem Khella-Extrakt verringerte die Ablagerung von Kalziumoxalatkristallen. Gleichzeitig stieg die Citratausscheidung im Urin, während die Oxalatausscheidung zurückging. [2]

Diese Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant, beziehen sich aber auf ein Tiermodell. Sie zeigen vor allem einen möglichen Mechanismus zur Vorbeugung von Kristallablagerungen; sie beweisen nicht, dass bereits vorhandene Nierensteine beim Menschen durch Khella zerfallen.

Auch eine ältere Untersuchung an Ratten mit experimentell erzeugten Kalziumoxalatsteinen kam zu dem Ergebnis, dass ein Khella-Samenextrakt die Ablagerung von Kalziumoxalat in den Nieren deutlich reduzieren konnte. Zusätzlich wurde eine harntreibende Wirkung beobachtet. [3]

Was zeigen Laboruntersuchungen?

Auch außerhalb des Tiermodells wurden mögliche Wirkungen untersucht. Eine In-vitro-Studie prüfte den Einfluss von Ammi visnaga auf die Kristallisation von Kalziumoxalat. Der untersuchte Pflanzenextrakt hemmte sowohl die Bildung neuer Kristalle als auch deren Zusammenlagerung unter den Versuchsbedingungen. [4]

Eine weitere Untersuchung an menschlichen Nierenepithelzellen zeigte, dass Khella-Extrakt sowie Khellin und Visnagin Zellschäden reduzieren konnten, die durch Oxalat beziehungsweise Kalziumoxalatkristalle ausgelöst wurden. [5]

Solche Ergebnisse können Hinweise darauf liefern, wie Pflanzenstoffe möglicherweise auf die Prozesse der Steinbildung einwirken. Sie sind jedoch kein Beweis für eine wirksame Behandlung von Nierensteinen beim Menschen.

Gibt es Studien mit Menschen?

Die Evidenz beim Menschen ist wesentlich schwächer als die experimentelle Datenlage. Es gibt beispielsweise einen veröffentlichten Fallbericht über einen Mann mit wiederkehrenden Harnleitersteinen, bei dem nach der Anwendung eines Präparats mit Ammi visnaga mehrere Steine spontan abgingen. Ein einzelner Fall kann jedoch nicht beweisen, dass die Pflanze für den Steinabgang verantwortlich war. [6]

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zur Anwendung von Ammi visnaga bei Harnsteinen beschreibt ebenfalls die traditionellen Anwendungen und die Ergebnisse aus experimentellen Untersuchungen. Sie macht zugleich deutlich, dass weitere Forschung erforderlich ist, bevor daraus eine belastbare klinische Empfehlung abgeleitet werden kann. [1]

Damit bleibt die entscheidende Frage offen: Ob Khella bei Menschen mit Nierensteinen zuverlässig die Steinbildung verhindert, vorhandene Steine verkleinert oder ihren Abgang beschleunigt, ist nicht ausreichend durch hochwertige klinische Studien belegt.

Welche Wirkstoffe der Khella sind interessant?

Besonders untersucht wurden Khellin und Visnagin. Diese Stoffe gehören zu den charakteristischen Inhaltsstoffen der Pflanze und zeigen in experimentellen Untersuchungen unter anderem Wirkungen auf die glatte Muskulatur und auf Prozesse, die mit der Bildung von Harnkristallen zusammenhängen. [1] [2]

Aus pharmakologischer Sicht ist deshalb nicht allein die Frage entscheidend, ob „Khella“ wirkt. Ebenso wichtig sind die verwendete Pflanzenart, der Pflanzenteil, die Zubereitung, die Konzentration der Inhaltsstoffe und die tatsächlich aufgenommene Menge. Ergebnisse mit einem standardisierten Extrakt lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen selbst zubereiteten Tee oder die Einnahme gemahlener Samen übertragen.

Kann Khella Nierensteine vorbeugen?

Hier gibt es interessante experimentelle Hinweise. In einem Rattenmodell verringerte Khella die Ablagerung von Kalziumoxalat in den Nieren und veränderte mehrere Urinparameter, die für die Kristallbildung relevant sind. [2]

Auch Laboruntersuchungen zeigen eine Hemmung bestimmter Prozesse der Kalziumoxalat-Kristallisation. [4]

Das reicht jedoch nicht aus, um Khella als nachgewiesene Methode zur Vorbeugung wiederkehrender Nierensteine zu empfehlen. Für eine solche Empfehlung wären belastbare klinische Studien erforderlich.

Wie werden Nierensteine medizinisch behandelt?

Die Behandlung hängt unter anderem von Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins sowie von den Beschwerden und möglichen Komplikationen ab. Kleine Harnleitersteine können bei geeigneten Patienten zunächst beobachtet werden, wenn keine Infektion, anhaltend nicht beherrschbare Schmerzen oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion vorliegt. [7]

Bei bestimmten Harnleitersteinen können außerdem sogenannte Alpha-Blocker als medikamentöse expulsive Therapie infrage kommen. Nach den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie besteht der größte Nutzen insbesondere bei distalen Harnleitersteinen von mehr als 5 Millimetern; diese Anwendung erfolgt allerdings off-label. [7]

Wenn eine aktive Entfernung erforderlich ist, kommen abhängig von der individuellen Situation beispielsweise eine Stoßwellenbehandlung oder eine ureteroskopische Entfernung infrage. Größere Nierensteine können andere Verfahren wie eine perkutane Nephrolithotomie erforderlich machen. [7]

Ist Khella harmlos?

„Pflanzlich“ bedeutet nicht automatisch „risikofrei“. Die Inhaltsstoffe von Ammi visnaga besitzen pharmakologische Wirkungen und können deshalb auch unerwünschte Effekte verursachen.

Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass eine längere Anwendung oder eine Überdosierung unter anderem Übelkeit, Schwindel, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen verursachen kann. Außerdem kann Khellin die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. [8]

Besondere Vorsicht ist während der Schwangerschaft geboten. Die Sicherheit der Anwendung ist nicht ausreichend geklärt; die WHO führt die Anwendung während der Schwangerschaft deshalb als kontraindiziert auf. [8]

Auch mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sollten berücksichtigt werden. Khellin kann bestimmte Cytochrom-P450-Enzyme beeinflussen und dadurch theoretisch die Konzentration von Arzneimitteln verändern, die über diese Stoffwechselwege verarbeitet werden. [8]

Tierexperimentelle Untersuchungen zur kurzfristigen und subakuten Toxizität eines Khella-Samenextrakts ergaben zwar bei den untersuchten Dosen keine eindeutigen toxischen Veränderungen. Solche Ergebnisse können die Sicherheit beim Menschen jedoch nicht garantieren. [9]

Was sollte man bei Nierensteinen beachten?

Bei Nierensteinen sollte nicht allein auf ein pflanzliches Mittel vertraut werden. Starke oder anhaltende Flankenschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Probleme beim Wasserlassen oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands können auf eine behandlungsbedürftige Komplikation hinweisen.

Insbesondere eine Harnabflussstörung in Verbindung mit einer Infektion stellt einen urologischen Notfall dar und erfordert eine rasche Entlastung des Harntrakts sowie eine geeignete Behandlung. [7]

Für Menschen mit wiederkehrenden Nierensteinen ist außerdem die Abklärung der Steinart und der individuellen Risikofaktoren wichtig. Daraus können gezielte Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Steine abgeleitet werden.

Fazit: Khella ist interessant, aber kein bewiesenes Mittel gegen Nierensteine

Khella (Ammi visnaga) hat eine lange Tradition in der Behandlung von Harnsteinen. Experimentelle Studien an Tieren und im Labor liefern tatsächlich Hinweise darauf, dass Khella beziehungsweise seine Inhaltsstoffe Khellin und Visnagin die Bildung und Ablagerung bestimmter Kristalle beeinflussen können. [2] [4]

Der entscheidende Nachweis beim Menschen fehlt jedoch. Insbesondere ist nicht ausreichend belegt, dass Khella bestehende Nierensteine zuverlässig auflöst oder deren Entfernung ersetzt. Ein Fallbericht oder Ergebnisse aus Zell- und Tiermodellen reichen dafür nicht aus. [6]

Khella sollte deshalb nicht als bewährtes Mittel zum „Zertrümmern“ von Nierensteinen verstanden werden. Wer die Pflanze dennoch verwenden möchte, sollte insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme ärztlichen Rat einholen.

Quellen [+]

[1] Khalil, N. et al.: Ammi Visnaga L., a Potential Medicinal Plant: A Review. Molecules. 2020. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31940874/

[2] Vanachayangkul, P. et al.: Prevention of renal crystal deposition by an extract of Ammi visnaga L. and its constituents khellin and visnagin in hyperoxaluric rats. Urological Research. 2011. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21069311/

[3] Akhavan Sepahi, M. et al.: Inhibition of oxalate nephrolithiasis with Ammi visnaga (Al-Khillah). Urological Research. 2002. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12452606/

[4] Bouanani, S. et al.: The study of the inhibitory effect of calcium oxalate monohydrate's crystallization by two medicinal and aromatic plants: Ammi visnaga and Punica granatum. Progrès en Urologie. 2018. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29325926/

[5] Vanachayangkul, P. et al.: An aqueous extract of Ammi visnaga fruits and its constituents khellin and visnagin prevent cell damage caused by oxalate in renal epithelial cells. Phytomedicine. 2010. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20036111/

[6] Kilicaslan, I.; Coskun, S.: Spontaneous stone passage: is it Ammi visnaga effect? Urological Research. 2012. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22990409/

European Association of Urology (EAU): EAU Guidelines on Urolithiasis. Ausgabe 2026. https://uroweb.org/guidelines/urolithiasis/chapter/guidelines

World Health Organization (WHO): WHO Monographs on Selected Medicinal Plants – Fructus Ammi Visnagae. 2009. https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/42052/9789241547024_eng.pdf

[9] Koriem, K. M. M. et al.: Acute and subacute toxicity of Ammi visnaga on rats. Interdisciplinary Toxicology. 2019. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32189984/

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