Diabetische Ketoazidose: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Eine diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine akute und potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung bei Diabetes. Sie entsteht vor allem dann, wenn dem Körper nicht genügend Insulin zur Verfügung steht. Dadurch können die Zellen Glukose nicht ausreichend verwerten und der Körper beginnt verstärkt, Fett zur Energiegewinnung abzubauen. Dabei entstehen Ketonkörper, die sich im Blut anreichern und zu einer Übersäuerung führen können. [1]
Die diabetische Ketoazidose tritt besonders häufig bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auf, kann aber auch bei Typ-2-Diabetes vorkommen. Eine schnelle Erkennung ist wichtig, weil sich die Stoffwechselstörung innerhalb kurzer Zeit verschlechtern und unbehandelt zu Bewusstseinsstörungen, Koma oder zum Tod führen kann. [1] [2]
Was ist eine diabetische Ketoazidose?
Bei einer diabetischen Ketoazidose fehlt dem Körper Insulin oder es steht nicht ausreichend wirksam zur Verfügung. Glukose kann dadurch nicht richtig in die Körperzellen aufgenommen und als Energiequelle genutzt werden. Stattdessen greift der Stoffwechsel zunehmend auf Fettreserven zurück.
Beim Abbau von Fett entstehen Ketonkörper. Werden davon innerhalb kurzer Zeit große Mengen gebildet, können sie sich im Blut ansammeln und das Säure-Basen-Gleichgewicht verändern. Die Folge ist eine metabolische Azidose, also eine Übersäuerung des Blutes. [1]
Eine Ketoazidose sollte nicht mit einer sogenannten ketogenen Ernährung gleichgesetzt werden. Bei einer ketogenen Ernährung entstehen zwar ebenfalls Ketonkörper, die Stoffwechselsituation und die Konzentrationen sind jedoch nicht mit einer diabetischen Ketoazidose gleichzusetzen.
Wer kann eine diabetische Ketoazidose bekommen?
Die diabetische Ketoazidose ist besonders eng mit Typ-1-Diabetes verbunden, weil bei dieser Diabetesform ein ausgeprägter Insulinmangel entstehen kann. Allerdings kann eine DKA grundsätzlich auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auftreten. [1]
Nach aktuellen medizinischen Kriterien können bei einer Ketoazidose unterschiedliche Blutzuckerwerte auftreten. In manchen Fällen liegt sogar eine sogenannte euglykämische Ketoazidose vor, bei der der Blutzucker nicht deutlich erhöht ist. Dies kann unter anderem im Zusammenhang mit bestimmten SGLT2-Hemmern auftreten. [1]
Welche Symptome treten bei einer Ketoazidose auf?
Die Beschwerden können sich unterschiedlich schnell entwickeln. Typische Warnzeichen sind vor allem eine Kombination aus erhöhtem Blutzucker beziehungsweise einer bekannten Diabeteserkrankung, Ketonen und Beschwerden einer Stoffwechselentgleisung. Zu den möglichen Symptomen gehören: [1] [2]
- starker Durst und häufiges Wasserlassen
- ausgeprägter Flüssigkeitsmangel
- trockener Mund und trockene Haut
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen
- ausgeprägte Müdigkeit oder Schwäche
- tiefe und schnelle Atmung
- Atemnot oder erschwerte Atmung
- fruchtig beziehungsweise nach Aceton riechender Atem
- Verwirrtheit oder eine zunehmende Bewusstseinsstörung
Insbesondere tiefes, schnelles Atmen, Erbrechen, fruchtiger Atem, starke Schwäche oder eine Bewusstseinsstörung sind ernst zu nehmende Warnzeichen. Eine schwere diabetische Ketoazidose ist ein medizinischer Notfall und muss unverzüglich behandelt werden. [2]
Warum entsteht eine diabetische Ketoazidose?
Der zentrale Auslöser ist ein ausgeprägter Insulinmangel beziehungsweise eine unzureichende Insulinwirkung. Dadurch kann der Körper seinen Energiestoffwechsel nicht mehr normal regulieren und greift verstärkt auf Fettreserven zurück. Die dabei entstehenden Ketonkörper können zu einer zunehmenden Übersäuerung führen. [1]
Häufige Auslöser
Bei Menschen mit bekanntem Diabetes können verschiedene Situationen eine Ketoazidose begünstigen. Dazu gehören insbesondere akute Infektionen und andere Erkrankungen sowie das Auslassen oder eine unzureichende Anwendung von Insulin. Auch körperlicher Stress und bestimmte akute Erkrankungen können eine DKA auslösen. [1]
- Infektionen, beispielsweise der Atemwege oder Harnwege
- Auslassen oder unzureichende Einnahme beziehungsweise Anwendung von Insulin
- akute Erkrankungen und körperlicher Stress
- bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere schwere akute Erkrankungen
- längeres Fasten oder eine deutlich reduzierte Nahrungsaufnahme in bestimmten Situationen
- bestimmte Medikamente, darunter SGLT2-Hemmer
Bei Menschen, die SGLT2-Hemmer einnehmen, kann eine Ketoazidose unter Umständen auch bei nur mäßig erhöhtem oder nahezu normalem Blutzucker auftreten. Deshalb schließt ein nicht extrem hoher Blutzucker eine Ketoazidose nicht sicher aus. [1]
Warum ist eine diabetische Ketoazidose gefährlich?
Eine unbehandelte Ketoazidose kann zu einer zunehmenden Übersäuerung, starkem Flüssigkeitsverlust und Störungen des Elektrolythaushalts führen. Besonders relevant ist dabei der Kaliumhaushalt, weil Veränderungen der Kaliumkonzentration die Funktion von Herz, Muskeln und Nervensystem beeinträchtigen können. [1]
Mit zunehmender Schwere können Bewusstseinsstörungen und Koma auftreten. Eine diabetische Ketoazidose kann deshalb lebensbedrohlich werden und erfordert eine schnelle medizinische Behandlung. [1] [2]
Wie wird eine diabetische Ketoazidose diagnostiziert?
Für die Diagnose reicht es nicht aus, lediglich einen erhöhten Blutzucker festzustellen. Nach aktuellen Konsensuskriterien wird eine diabetische Ketoazidose anhand einer Kombination aus Diabetes beziehungsweise Hyperglykämie, erhöhter Ketonkörperkonzentration und einer metabolischen Azidose beurteilt. [1] [3]
Zu den wichtigen Untersuchungen gehören unter anderem:
- Messung des Blutzuckers
- Bestimmung der Ketonkörper, insbesondere von Beta-Hydroxybutyrat im Blut oder von Ketonen im Urin
- Bestimmung des Blut-pH-Wertes
- Messung des Bikarbonats
- Kontrolle wichtiger Elektrolyte, insbesondere Kalium
- Beurteilung der Nierenfunktion und des Flüssigkeitshaushalts
- Untersuchung auf eine mögliche auslösende Erkrankung, beispielsweise eine Infektion
Die aktuellen diagnostischen Kriterien für eine DKA berücksichtigen unter anderem einen Blutzucker von mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder einen bekannten Diabetes, erhöhte Ketonkörper und eine metabolische Azidose mit einem pH-Wert unter 7,30 und/oder einem Bikarbonatwert unter 18 mmol/l. [3]
Wichtig ist dabei: Eine diabetische Ketoazidose kann auch mit einem Blutzucker unter 200 mg/dl auftreten. Diese Form wird als euglykämische diabetische Ketoazidose bezeichnet. [1]
Wie wird eine diabetische Ketoazidose behandelt?
Eine manifeste diabetische Ketoazidose wird medizinisch behandelt und erfordert je nach Schweregrad eine Überwachung im Krankenhaus. Die Behandlung zielt nicht nur darauf ab, den Blutzucker zu senken, sondern vor allem darauf, die Ketose und Übersäuerung zu beseitigen, den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt zu stabilisieren und den Auslöser zu behandeln. [1]
Flüssigkeitszufuhr
Durch die Ketoazidose kommt es häufig zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust. Deshalb gehört die Wiederherstellung des Flüssigkeitshaushalts zu den wichtigsten Bestandteilen der Behandlung. In der Regel erfolgt die Flüssigkeitsgabe intravenös und wird anhand des klinischen Zustands angepasst. [1]
Insulintherapie
Insulin ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Es hemmt die weitere Bildung von Ketonkörpern und hilft dabei, die Stoffwechselentgleisung zu beenden. Bei einer schweren Ketoazidose wird Insulin unter medizinischer Überwachung eingesetzt. [1]
Kontrolle und Ausgleich von Elektrolyten
Während der Behandlung werden Elektrolyte regelmäßig kontrolliert. Besonders wichtig ist der Kaliumwert, weil sich die Kaliumverteilung durch Insulin und die Korrektur der Stoffwechselstörung verändert. Je nach Laborwert kann deshalb eine gezielte Elektrolytzufuhr notwendig sein. [1]
Behandlung des Auslösers
Wenn beispielsweise eine Infektion oder eine andere akute Erkrankung die Ketoazidose ausgelöst hat, muss auch diese Ursache behandelt werden. Die Therapie richtet sich deshalb immer nach dem individuellen Auslöser und dem Schweregrad der Stoffwechselentgleisung. [1]
Was kann man zur Vorbeugung tun?
Eine gute Diabeteskontrolle kann dazu beitragen, das Risiko einer Ketoazidose zu reduzieren. Besonders wichtig ist, Insulin und andere verordnete Medikamente entsprechend dem individuellen Behandlungsplan anzuwenden und bei Erkrankungen die Blutzuckerwerte besonders aufmerksam zu kontrollieren. [1] [2]
- Blutzucker regelmäßig entsprechend dem persönlichen Therapieplan kontrollieren.
- Insulin nicht eigenständig auslassen oder die Dosierung ohne ärztliche Anweisung verändern.
- Bei Erkrankungen häufiger messen und die mit dem Behandlungsteam vereinbarten Regeln für Krankheitstage beachten.
- Bei entsprechender Empfehlung Ketone im Blut oder Urin kontrollieren.
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, sofern medizinisch nichts dagegenspricht.
- Bei wiederholt erhöhten Blutzuckerwerten oder erhöhten Ketonen frühzeitig medizinischen Rat einholen.
Menschen mit Diabetes sollten mit ihrem Behandlungsteam besprechen, wie sie sich bei Fieber, Infektionen, Erbrechen oder deutlich erhöhten Blutzuckerwerten verhalten sollen. Gerade während einer akuten Erkrankung kann eine engmaschigere Kontrolle notwendig sein. [2]
Wann ist eine sofortige medizinische Behandlung notwendig?
Bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose sollte nicht abgewartet werden. Besonders alarmierend sind hohe oder anhaltend steigende Blutzuckerwerte zusammen mit Ketonen, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefer und schneller Atmung, fruchtigem Atem, ausgeprägter Schwäche oder Bewusstseinsstörungen. [2]
Eine schwere Ketoazidose ist ein medizinischer Notfall. Bei deutlichen Warnzeichen, insbesondere Atemproblemen, wiederholtem Erbrechen, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen, ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich. [2]
Fazit
Die diabetische Ketoazidose entsteht vor allem durch einen ausgeprägten Insulinmangel und die dadurch verstärkte Bildung von Ketonkörpern. Typische Warnzeichen sind unter anderem starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe und schnelle Atmung sowie ein fruchtiger Atemgeruch. [1] [2]
Da die Erkrankung schnell schwerwiegend werden kann, sind eine frühzeitige Erkennung und eine medizinische Behandlung entscheidend. Die Therapie umfasst insbesondere Flüssigkeitszufuhr, Insulin, die Kontrolle und gegebenenfalls Korrektur von Elektrolyten sowie die Behandlung des auslösenden Problems. [1]
Quellen [+]
[1] Umpierrez GE et al.: Hyperglycaemic crises in adults with diabetes: a consensus report. 2024. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11343900/
[2] Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Diabetic Ketoacidosis. 2024. https://www.cdc.gov/diabetes/about/diabetic-ketoacidosis.html
[3] American Diabetes Association: 16. Diabetes Care in the Hospital: Standards of Care in Diabetes—2026. 2026. https://diabetesjournals.org/care/article/49/Supplement_1/S339/163925/16-Diabetes-Care-in-the-Hospital-Standards-of-Care
