Borreliose: Symptome, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung
Die Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die in Deutschland vor allem durch den Stich infizierter Schildzecken übertragen wird. Die Erkrankung kann verschiedene Organe betreffen. Besonders häufig ist die Haut betroffen, möglich sind aber auch Beschwerden an Nerven, Gelenken oder am Herzen. [1] [2]
Eine Borreliose kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Entscheidend ist, mögliche Krankheitszeichen richtig einzuordnen und bei entsprechendem Verdacht ärztliche Hilfe zu suchen. Ein Zeckenstich allein bedeutet dagegen noch nicht, dass eine Borrelieninfektion vorliegt. [1]
Was ist Borreliose?
Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht. In Deutschland und anderen Teilen Europas spielt insbesondere die Übertragung durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) eine Rolle. Borrelien können während des Saugvorgangs einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen werden. [1]
Borreliose kommt grundsätzlich in ganz Deutschland vor. Das Risiko einer Infektion ist regional unterschiedlich und hängt unter anderem davon ab, wie häufig infizierte Zecken vorkommen und wie häufig Menschen mit Zecken in Kontakt kommen. [1]
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Beide Erkrankungen können durch Zecken übertragen werden, werden aber durch unterschiedliche Erreger verursacht und unterscheiden sich hinsichtlich Diagnostik, Behandlung und Vorbeugung.
Wie wird Borreliose übertragen?
Borrelien werden in Deutschland hauptsächlich durch den Stich infizierter Schildzecken übertragen. Nicht jede Zecke trägt Borrelien, und nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Erkrankung. Das Risiko hängt unter anderem von der Dauer des Saugaktes und weiteren Faktoren ab. [1]
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet bei der Lyme-Borreliose nicht statt. Auch Haustiere können zwar von Zecken befallen werden, stellen aber keinen normalen direkten Übertragungsweg der Borreliose auf den Menschen dar. [1]
Welche Symptome hat Borreliose?
Die Beschwerden unterscheiden sich je nach Krankheitsstadium. Außerdem entwickelt nicht jeder Mensch nach einer Borrelieninfektion eine klinisch erkennbare Erkrankung. [1]
Wanderröte: Das typische frühe Hautzeichen
Das bekannteste Zeichen einer frühen Borreliose ist das Erythema migrans, im Deutschen meist Wanderröte genannt. Dabei entsteht einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich eine Rötung der Haut, die sich allmählich nach außen ausbreitet. Das Zentrum kann dabei heller erscheinen als der Rand. [1] [3]
Die Wanderröte muss nicht wie ein perfekter „Bull’s-eye“-Ring aussehen. Ihr Erscheinungsbild kann unterschiedlich sein. Eine kleine Rötung direkt nach dem Zeckenstich, die innerhalb kurzer Zeit wieder verschwindet, ist dagegen häufig eine lokale Reaktion auf den Stich und nicht automatisch ein Erythema migrans. [1] [3]
Bei einem typischen Erythema migrans kann die Diagnose anhand des charakteristischen Hautbildes gestellt werden. Ein Bluttest ist in dieser Situation nicht immer erforderlich und kann in der frühen Phase noch negativ ausfallen. [2] [3]
Grippeähnliche Beschwerden
Zusätzlich oder unabhängig von einer Wanderröte können in einer frühen Krankheitsphase beispielsweise folgende Beschwerden auftreten:
- Fieber oder erhöhte Temperatur,
- Kopfschmerzen,
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit,
- Muskel- und Gelenkschmerzen,
- geschwollene Lymphknoten.
Diese Symptome sind allerdings unspezifisch und können auch bei zahlreichen anderen Infektionen auftreten. Sie beweisen daher keine Borreliose. [3]
Welche Beschwerden können bei einer späteren Borreliose auftreten?
Wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet, können weitere Organe betroffen sein. Mögliche Krankheitsbilder sind unter anderem Neuroborreliose, Lyme-Arthritis und Lyme-Karditis. [1] [4]
Neuroborreliose
Bei einer Neuroborreliose sind Strukturen des Nervensystems betroffen. Typische Beschwerden können starke, teilweise nachts zunehmende Nervenschmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen bestimmter Hirnnerven sein. Eine bekannte Ausprägung ist die Gesichtslähmung. Auch Kopfschmerzen und Nackenbeschwerden können auftreten. [1] [4]
Eine plötzlich auftretende Gesichtslähmung, ausgeprägte neurologische Beschwerden, starke Kopfschmerzen mit Nackensteife oder andere akute neurologische Symptome sollten zeitnah medizinisch beurteilt werden.
Lyme-Arthritis
Eine spätere Manifestation der Borreliose kann die Gelenke betreffen. Charakteristisch ist insbesondere eine entzündliche Schwellung eines oder weniger großer Gelenke, häufig des Knies. Die Beschwerden können phasenweise auftreten. [1]
Lyme-Karditis
In seltenen Fällen kann Borreliose das Herz betreffen. Möglich sind beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Atemnot oder Brustbeschwerden. Eine Lyme-Karditis ist selten, kann aber ernsthafte Herzrhythmusstörungen verursachen und muss medizinisch behandelt werden. [3]
Wie wird Borreliose diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf dem Zusammenspiel von Beschwerden, körperlicher Untersuchung, möglicher Zeckenexposition und – wenn erforderlich – Labortests. Ein einzelner Blutwert kann eine Borreliose nicht in jedem Fall sicher bestätigen oder ausschließen. [1] [2]
Blutuntersuchung auf Borrelien-Antikörper
Bei geeigneten Krankheitsbildern können Antikörper gegen Borrelien im Blut untersucht werden. In Deutschland wird hierfür eine zweistufige Serodiagnostik eingesetzt: Zunächst erfolgt ein Suchtest, beispielsweise ein ELISA oder ein vergleichbares Verfahren. Bei einem positiven oder grenzwertigen Ergebnis folgt ein Bestätigungstest, beispielsweise ein Immunoblot. [2]
Ein wichtiger Punkt ist der Zeitpunkt der Untersuchung: Nach einer frischen Infektion können noch nicht genügend Antikörper gebildet worden sein. Ein negativer Test schließt deshalb eine sehr frühe Borreliose nicht in jedem Fall aus. Umgekehrt können Antikörper nach einer früheren Infektion noch über längere Zeit nachweisbar bleiben. Ein positives Ergebnis muss daher immer im Zusammenhang mit den Beschwerden bewertet werden. [1] [2]
Diagnose der Neuroborreliose
Bei einem begründeten Verdacht auf Neuroborreliose kann zusätzlich eine Untersuchung des Nervenwassers erforderlich sein. Dabei werden unter anderem entzündliche Veränderungen und borrelienspezifische Antikörper im Verhältnis von Liquor und Blut untersucht. [4]
Nicht jeder unspezifische neurologische oder körperliche Beschwerdekomplex ist automatisch eine Neuroborreliose. Deshalb ist eine sorgfältige ärztliche Differenzialdiagnostik wichtig.
Wie wird Borreliose behandelt?
Eine bestätigte beziehungsweise klinisch begründete Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt von der Krankheitsmanifestation, dem Alter, möglichen Allergien, einer Schwangerschaft und weiteren individuellen Faktoren ab. [2] [5]
Bei einer frühen Hautmanifestation kommen je nach individueller Situation unter anderem Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim zum Einsatz. Bei bestimmten neurologischen oder kardialen Manifestationen können andere Antibiotika und teilweise eine intravenöse Behandlung erforderlich sein. Die genaue Therapiedauer richtet sich ebenfalls nach dem Krankheitsbild. [2] [4] [5]
Eine frühe, passende Behandlung verbessert die Aussichten auf eine vollständige Genesung und kann Komplikationen verhindern. Deshalb sollte ein typisches Erythema migrans nicht abgewartet werden, bis ein Bluttest positiv wird. [3]
Bleiben Beschwerden nach der Behandlung bestehen?
Die meisten Menschen erholen sich nach einer geeigneten Behandlung gut. Manche Betroffene berichten jedoch noch über längere Zeit über Müdigkeit, Schmerzen oder Konzentrationsprobleme. Solche Beschwerden können verschiedene Ursachen haben und bedeuten nicht automatisch, dass weiterhin eine aktive Borrelieninfektion besteht. [6]
Wenn nach einer empfohlenen Antibiotikatherapie anhaltende oder wiederkehrende unspezifische Beschwerden bestehen, sollte deshalb nach anderen möglichen Ursachen gesucht werden. Eine langfristige oder wiederholte Antibiotikabehandlung ohne entsprechende medizinische Indikation bietet nach derzeitiger Evidenz keinen belegten Vorteil und kann erhebliche Nebenwirkungen verursachen. [6]
Kann man Borreliose nach einem Zeckenstich vorbeugen?
Die wichtigste Vorbeugung besteht darin, Zeckenstiche möglichst zu verhindern und festgesogene Zecken schnell zu entfernen. Nach Aufenthalten in Wäldern, Wiesen oder Gärten sollten Haut und Kleidung kontrolliert werden. Besonders wichtig sind Körperstellen, an denen Zecken leicht übersehen werden können. [1]
Eine festgesogene Zecke sollte möglichst bald und vorsichtig mit einer geeigneten Pinzette oder einem Zeckenentfernungsinstrument nahe an der Haut gefasst und langsam herausgezogen werden. Die Einstichstelle kann anschließend gereinigt und desinfiziert werden. [1]
Was sollte man nach einem Zeckenstich beobachten?
Nach einem Zeckenstich kann es sinnvoll sein, die betroffene Hautstelle über mehrere Wochen zu beobachten. Ein Foto der Einstichstelle kann dabei helfen, Veränderungen im Verlauf zu dokumentieren. Entwickelt sich eine zunehmend größer werdende Rötung oder treten passende Allgemeinsymptome auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. [1]
Ist eine vorbeugende Antibiotika-Einnahme nach jedem Zeckenstich sinnvoll?
Nein. Eine routinemäßige Antibiotikabehandlung nach jedem Zeckenstich wird in Deutschland nicht empfohlen. Ein Zeckenstich allein ist keine Diagnose einer Borreliose. Stattdessen sollte auf Krankheitszeichen geachtet und bei begründetem Verdacht eine medizinische Untersuchung durchgeführt werden. [1]
Auch die Untersuchung der entfernten Zecke auf Borrelien ist im normalen klinischen Alltag nicht sinnvoll, weil ein positiver Nachweis in der Zecke nicht beweist, dass die betroffene Person infiziert wurde. Ein negativer Befund schließt eine Infektion ebenfalls nicht zuverlässig aus. [1]
Gibt es eine Impfung gegen Borreliose?
Für Menschen in Europa steht derzeit keine allgemein verfügbare Impfung gegen Lyme-Borreliose zur Verfügung. Die Situation unterscheidet sich von der FSME, gegen die für bestimmte Risikogebiete und Personengruppen eine Impfung angeboten wird. [1]
Die wichtigste Vorbeugung gegen Borreliose bleibt daher der Schutz vor Zeckenstichen und die schnelle Entfernung bereits festgesogener Zecken.
Wann sollte man nach einem Zeckenstich zum Arzt?
Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn nach einem Zeckenstich eine sich ausbreitende Hautrötung entsteht oder Beschwerden auftreten, die zu einer Borreliose passen. Dazu gehören beispielsweise Fieber, starke Müdigkeit, ausgeprägte Muskel- oder Gelenkschmerzen, Nervenschmerzen oder eine Gesichtslähmung. [1] [3]
Sofortige medizinische Hilfe ist insbesondere bei schweren neurologischen Symptomen, einer plötzlich auftretenden Gesichtslähmung, starken Herzbeschwerden, Ohnmacht, ausgeprägter Atemnot oder anderen akuten schweren Beschwerden erforderlich.
Fazit: Borreliose ist behandelbar
Borreliose ist eine durch Borrelien verursachte bakterielle Infektion, die in Deutschland vor allem durch Zecken übertragen wird. Die Erkrankung kann sich zunächst durch eine Wanderröte und grippeähnliche Beschwerden bemerkbar machen. Später können unter anderem Nervensystem, Gelenke oder Herz betroffen sein. [1] [3]
Die Diagnose sollte nicht allein auf unspezifischen Beschwerden oder einem einzelnen Bluttest beruhen. Bei typischer Wanderröte kann die Diagnose klinisch gestellt werden; in anderen Situationen kann eine abgestufte Antikörperdiagnostik erforderlich sein. Eine geeignete Antibiotikatherapie führt bei den meisten Betroffenen zu einer guten Genesung. [2] [5]
Am wirksamsten ist es, Zeckenstiche zu vermeiden, festgesogene Zecken möglichst schnell zu entfernen und bei verdächtigen Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.
Quellen anzeigen
[1] Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber – Lyme-Borreliose, Informationen zu Vorkommen, Übertragung, Symptomen, Diagnostik, Therapie und Vorbeugung. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_LymeBorreliose.html
[2] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Kutane Lyme Borreliose, Leitlinie Version 3.0, veröffentlicht am 24.06.2024, gültig bis 27.02.2028. https://www.awmf.org/aktuelles/awmf-aktuell/kutane-lyme-borreliose
[3] Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Signs and Symptoms of Untreated Lyme Disease, 15.05.2024. Informationen zu frühen und späteren Symptomen sowie zum Erythema migrans. https://www.cdc.gov/lyme/signs-symptoms/index.html
[4] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Neuroborreliose, Leitlinie Version 6.0, veröffentlicht am 23.05.2024, gültig bis 29.04.2027. https://www.awmf.org/aktuelles/awmf-aktuell/neuroborreliose
[5] Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Clinical Care of Lyme Disease, 15.05.2024, aktualisierte Empfehlungen zur antibiotischen Behandlung verschiedener Lyme-Manifestationen. https://www.cdc.gov/lyme/hcp/clinical-care/index.html
[6] Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Chronic Symptoms and Lyme Disease, 26.06.2026. Informationen zu anhaltenden Beschwerden nach Behandlung und zur fehlenden Evidenz für verlängerte Antibiotikatherapien. https://www.cdc.gov/lyme/signs-symptoms/chronic-symptoms-and-lyme-disease.html
