Körperzittern und Herzklopfen: Ursachen, mögliche Erkrankungen und Warnzeichen
Wenn der Körper plötzlich zittert und gleichzeitig das Herz schneller oder kräftiger schlägt, kann das beunruhigend sein. Beide Beschwerden können gemeinsam auftreten, ohne dass eine Herzerkrankung dahintersteckt. Stress, Angst, körperliche Anstrengung, Koffein oder eine Unterzuckerung können beispielsweise sowohl Zittern als auch Herzklopfen auslösen. [1] [2]
Es kommen allerdings auch körperliche Erkrankungen als Ursache infrage. Dazu gehören unter anderem Herzrhythmusstörungen, eine Überfunktion der Schilddrüse, Blutarmut oder bestimmte Medikamentenwirkungen. Deshalb sollte insbesondere wiederkehrendes, neu auftretendes oder stark ausgeprägtes Herzklopfen ärztlich abgeklärt werden. [1] [3]
Was bedeuten Zittern und Herzklopfen?
Unter Herzklopfen oder Palpitationen versteht man die bewusste Wahrnehmung des eigenen Herzschlags. Betroffene beschreiben das Gefühl beispielsweise als Herzrasen, starkes Pochen, Flattern oder als Aussetzen einzelner Schläge. Der Herzrhythmus kann dabei tatsächlich verändert sein, muss es aber nicht. [1]
Zittern bezeichnet unwillkürliche, wiederkehrende Bewegungen eines Körperteils oder des Körpers. Es kann beispielsweise die Hände und Arme betreffen, aber auch andere Körperregionen. Ein leichtes physiologisches Zittern ist normal und wird häufig überhaupt nicht bemerkt. Deutlich sichtbares oder anhaltendes Zittern kann dagegen verschiedene Ursachen haben. [4]
Häufige Ursachen für Körperzittern und Herzklopfen
Die beiden Symptome können durch ganz unterschiedliche Faktoren entstehen. Nicht jede gemeinsame Episode weist auf dieselbe Erkrankung hin. Zu den häufigen Auslösern gehören psychische Belastungen, körperliche Anstrengung, stimulierende Substanzen und bestimmte körperliche Veränderungen. [1] [4]
Stress, Angst und Panik
Angst und starke Anspannung aktivieren die körperliche Stressreaktion. Dabei kann das Herz schneller schlagen und gleichzeitig ein Zittern oder Schütteln auftreten. Bei einer Panikattacke können zusätzlich Schwitzen, Schwindel, Atemnot, Brustbeschwerden, Kribbeln oder ein ausgeprägtes Angstgefühl auftreten. [5]
Auch ohne eine Panikstörung können starke Emotionen vorübergehend Herzklopfen und Zittern verursachen. Stress kann außerdem ein bereits bestehendes Zittern verstärken. [4]
Unterzuckerung
Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel kann mit Zittern und Herzklopfen einhergehen. Weitere mögliche Beschwerden sind Schwitzen, Hunger, Schwindel, Schwäche, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme. Bei einer ausgeprägten Unterzuckerung können Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit auftreten. [6]
Eine Unterzuckerung betrifft besonders Menschen mit Diabetes, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwenden. Bei Menschen ohne Diabetes ist eine echte Hypoglykämie deutlich seltener. [6]
Koffein, Nikotin und andere stimulierende Substanzen
Koffein und andere stimulierende Substanzen können Herzklopfen begünstigen. Bei empfindlichen Menschen oder bei höherem Konsum kann gleichzeitig ein Zittern stärker auffallen. Auch Nikotin und bestimmte Medikamente können Palpitationen oder Tremor auslösen. [1] [7]
Bei wiederkehrenden Beschwerden kann es deshalb sinnvoll sein, darauf zu achten, ob die Symptome nach Kaffee, Energydrinks, Nikotin oder bestimmten Arzneimitteln auftreten. Medikamente sollten jedoch nicht eigenständig abgesetzt oder in der Dosierung verändert werden. [7]
Körperliche Anstrengung
Bei Sport und anderer körperlicher Belastung steigt die Herzfrequenz normalerweise an. Auch ein leichtes Zittern kann nach intensiver körperlicher Anstrengung auftreten, beispielsweise durch Ermüdung der Muskulatur. Solche Reaktionen sind nicht automatisch krankhaft. [1] [4]
Wenn Herzrasen oder starkes Zittern jedoch bereits bei geringer Belastung auftreten, ungewöhnlich lange anhalten oder mit Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht verbunden sind, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden. [1]
Herzrhythmusstörungen als mögliche Ursache
Herzklopfen kann durch eine tatsächliche Veränderung des Herzrhythmus entstehen. Dazu gehören beispielsweise zusätzliche Herzschläge, supraventrikuläre Tachykardien oder Vorhofflimmern. Nicht jede Rhythmusveränderung ist gefährlich, manche können jedoch behandlungsbedürftig sein. [1] [8]
Hinweise auf eine mögliche Herzrhythmusstörung können ein plötzlich einsetzendes oder endendes Herzrasen, ein deutlich unregelmäßiger Herzschlag oder wiederkehrende Episoden sein. Ob tatsächlich eine Arrhythmie vorliegt, lässt sich jedoch nicht allein anhand des subjektiven Empfindens feststellen. Ein EKG kann bei der Abklärung eine wichtige Rolle spielen. [1] [8]
Überfunktion der Schilddrüse
Eine Schilddrüsenüberfunktion kann mehrere Beschwerden verursachen, die leicht mit einer Stressreaktion verwechselt werden können. Dazu gehören unter anderem Herzklopfen, Zittern, Nervosität, Schlafprobleme, vermehrtes Schwitzen und Gewichtsverlust. [9]
Wenn Herzklopfen und Zittern über längere Zeit bestehen und zusätzlich beispielsweise Gewichtsverlust, Wärmeempfindlichkeit oder Nervosität auftreten, kann eine ärztliche Untersuchung der Schilddrüsenfunktion sinnvoll sein. Blutuntersuchungen können dabei helfen, eine Schilddrüsenüberfunktion zu erkennen. [9]
Blutarmut und Eisenmangel
Auch eine Eisenmangelanämie kann mit Herzklopfen einhergehen. Typische Beschwerden sind außerdem Müdigkeit, Energiemangel, Atemnot und eine blassere Haut. [10]
Das Herz kann bei einer Blutarmut stärker belastet werden, weil der Sauerstofftransport des Blutes eingeschränkt ist. Ob tatsächlich eine Anämie oder ein Eisenmangel vorliegt, lässt sich durch eine ärztliche Untersuchung und entsprechende Bluttests feststellen. [10]
Weitere mögliche Auslöser
Neben den genannten Ursachen gibt es weitere Faktoren, die Zittern oder Herzklopfen auslösen können. Dazu zählen beispielsweise Fieber, Flüssigkeitsmangel, bestimmte Medikamente, Alkohol oder andere stimulierende Substanzen. Auch neurologische Erkrankungen können Tremor verursachen. [1] [4] [7]
Ein anhaltender oder zunehmender Tremor sollte deshalb nicht allein als harmlose Stressreaktion betrachtet werden. Entscheidend ist, wie lange die Beschwerden bestehen, wann sie auftreten und ob weitere Symptome hinzukommen. [4]
Wann sind Zittern und Herzklopfen gefährlich?
Gelegentliches Herzklopfen ist häufig nicht gefährlich. Dringend wird die Situation vor allem dann, wenn Palpitationen mit deutlichen Warnzeichen verbunden sind. Dazu gehören starke Brustschmerzen oder Druck auf der Brust, ausgeprägte Atemnot, starke Schwindelgefühle, Bewusstlosigkeit oder andere schwere Krankheitszeichen. [1] [11]
Bei solchen Beschwerden sollte in Deutschland der Notruf 112 gewählt werden. Das gilt insbesondere bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder einen anderen lebensbedrohlichen Zustand. Wenn nicht sicher beurteilt werden kann, ob Lebensgefahr besteht, sollte im Zweifel ebenfalls der Notruf gewählt werden. [11]
Diese Warnzeichen sollten ernst genommen werden
- starke oder neu auftretende Brustschmerzen
- starker Druck oder Engegefühl im Brustkorb
- deutliche Atemnot
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- starker Schwindel oder ausgeprägte Schwäche
- plötzlich einsetzendes Herzrasen mit weiteren schweren Beschwerden
- neu auftretende neurologische Auffälligkeiten
Bei starken Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit ist eine schnelle medizinische Versorgung besonders wichtig. [11]
Wann sollte man Herzklopfen und Zittern ärztlich untersuchen lassen?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden erstmals auftreten, regelmäßig wiederkehren, stärker werden oder ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Gleiches gilt, wenn zusätzlich andere Beschwerden hinzukommen oder eine bekannte Herz- oder Stoffwechselerkrankung besteht. [1]
Bei der Untersuchung wird zunächst nach dem zeitlichen Verlauf, möglichen Auslösern, Begleitsymptomen und eingenommenen Medikamenten gefragt. Je nach Situation können ein EKG, Blutuntersuchungen oder eine längerfristige Aufzeichnung des Herzrhythmus erforderlich sein. [1]
Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung können zusätzlich Bluttests zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion durchgeführt werden. Bei anhaltendem Tremor richtet sich die weitere Diagnostik nach dem Erscheinungsbild und möglichen Begleitsymptomen. [4] [9]
Was kann man selbst gegen vorübergehendes Zittern und Herzklopfen tun?
Wenn eine ernsthafte Ursache ausgeschlossen wurde und die Beschwerden beispielsweise mit Stress oder bestimmten Auslösern zusammenhängen, können einfache Maßnahmen helfen. Dazu gehören ausreichend Schlaf, eine Reduzierung von Koffein und anderen stimulierenden Substanzen sowie Entspannungs- und Atemübungen. [1] [4]
Bei einem bekannten Diabetes sollte bei typischen Unterzuckerungssymptomen der Blutzucker kontrolliert und die mit dem behandelnden Team vereinbarte Behandlung durchgeführt werden. Bei schweren Symptomen wie Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen ist sofort medizinische Hilfe erforderlich. [6]
Wichtig ist außerdem, mögliche Auslöser zu beobachten: Treten die Beschwerden nach Koffein, bei Stress, während körperlicher Belastung oder im Zusammenhang mit einem bestimmten Medikament auf, kann diese Information bei der ärztlichen Abklärung hilfreich sein.
Fazit: Körperzittern und Herzklopfen haben viele mögliche Ursachen
Körperzittern und Herzklopfen können gemeinsam auftreten, ohne dass eine gefährliche Erkrankung vorliegt. Häufige Auslöser sind unter anderem Stress und Angst, körperliche Belastung, Koffein oder eine Unterzuckerung. [1] [4] [6]
Daneben kommen medizinische Ursachen wie Herzrhythmusstörungen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Blutarmut infrage. Deshalb lässt sich aus den beiden Symptomen allein keine zuverlässige Diagnose ableiten. [8] [9] [10]
Bei starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstlosigkeit oder anderen schweren Symptomen sollte nicht abgewartet werden. In Deutschland ist in einer solchen Situation der Notruf 112 zuständig. [11]
Quellen [+]
[1] MedlinePlus: Heart palpitations. 2024. https://medlineplus.gov/ency/article/003081.htm
[2] NHS: Low blood sugar (hypoglycaemia). Aktualisierte Gesundheitsinformation. https://www.nhs.uk/conditions/low-blood-sugar-hypoglycaemia/
[3] NHS: Iron deficiency anaemia. Aktualisierte Gesundheitsinformation. https://www.nhs.uk/conditions/iron-deficiency-anaemia/
[4] MedlinePlus: Tremor. 2024. https://www.medlineplus.gov/ency/article/003192.htm
[5] MedlinePlus: Panic Disorder. Aktualisierte Gesundheitsinformation. https://medlineplus.gov/panicdisorder.html
[6] NHS: Low blood sugar (hypoglycaemia). Aktualisierte Gesundheitsinformation. https://www.nhs.uk/conditions/low-blood-sugar-hypoglycaemia/
[7] MedlinePlus: Drug-induced tremor. 2024. https://www.medlineplus.gov/ency/article/000765.htm
[8] MedlinePlus: Arrhythmia – Irregular Heartbeat. Aktualisierte Gesundheitsinformation. https://medlineplus.gov/arrhythmia.html
[9] NHS: Overactive thyroid (hyperthyroidism) – Symptoms. Zuletzt überprüft: 11. April 2023. https://www.nhs.uk/conditions/overactive-thyroid-hyperthyroidism/symptoms/
[10] NHS: Iron deficiency anaemia. Aktualisierte Gesundheitsinformation. https://www.nhs.uk/conditions/iron-deficiency-anaemia/
[11] gesund.bund.de: Nummern für den Notfall. Stand: 23.04.2026. https://gesund.bund.de/notfallnummern
