Geschwollene Lymphknoten in der Leiste: Ursachen, Symptome und Diagnose
Geschwollene Lymphknoten in der Leiste sind häufig eine Reaktion des Immunsystems auf eine Entzündung oder Infektion im näheren Körperbereich. Besonders Infektionen der Haut, Beine oder Genitalregion können dazu führen, dass die sogenannten inguinalen Lymphknoten größer und teilweise druckempfindlich werden. [1] [2]
Eine tastbare Schwellung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine ernsthafte Erkrankung vorliegt. In den meisten Fällen steckt eine gutartige oder vorübergehende Ursache dahinter. Bleibt die Schwellung jedoch bestehen, nimmt sie zu oder treten weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. [1]
Warum schwellen Lymphknoten in der Leiste an?
Lymphknoten sind Teil des Immunsystems. Sie filtern die Lymphflüssigkeit und enthalten Abwehrzellen, die Krankheitserreger und veränderte Zellen erkennen können. Wenn im Einzugsgebiet eines Lymphknotens eine Infektion oder Entzündung auftritt, kann der Lymphknoten durch die verstärkte Immunreaktion vorübergehend anschwellen. [2]
Die Lymphknoten in der Leiste stehen insbesondere mit den Lymphabflussgebieten der Beine, der Haut im unteren Körperbereich und Teilen der Genitalregion in Verbindung. Deshalb können beispielsweise kleine Hautverletzungen am Bein, Fußinfektionen oder Entzündungen im Genitalbereich eine Schwellung in der Leiste auslösen. [3]
Häufige Ursachen für geschwollene Lymphknoten in der Leiste
Infektionen an Beinen und Füßen
Eine häufige Erklärung ist eine Infektion oder Entzündung an der Haut oder im Gewebe des Beins. Dazu können beispielsweise bakterielle Hautinfektionen gehören. Auch Pilzinfektionen wie Fußpilz können mit einer Reaktion der regionalen Lymphknoten einhergehen, insbesondere wenn die Hautbarriere geschädigt ist. [3]
Deshalb lohnt sich bei einer neu aufgetretenen Schwellung in der Leiste auch ein Blick auf die Beine und Füße: Rötungen, kleine Wunden, entzündete Hautstellen oder andere Veränderungen können wichtige Hinweise auf den Auslöser liefern.
Infektionen nach Kratzern oder Bissen
Auch eine Verletzung durch eine Katze kann eine Lymphknotenschwellung verursachen. Bei der Katzenkratzkrankheit, die durch bestimmte Bakterien verursacht wird, können die Lymphknoten in der Nähe der Eintrittsstelle anschwellen und schmerzen. [4]
Bei einem Kratzer am Bein kann deshalb beispielsweise eine Schwellung der Lymphknoten in der Leiste entstehen. Begleitend können Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten. [4]
Sexuell übertragbare Infektionen
Auch sexuell übertragbare Infektionen kommen als Ursache infrage. Dazu gehören unter anderem Syphilis und bestimmte Chlamydieninfektionen. Bei einer Syphilis können beispielsweise die Lymphknoten in der Nähe einer Eintrittsstelle des Erregers anschwellen. [5]
Bei der sexuell übertragbaren Infektion Lymphogranuloma venereum, die durch bestimmte Chlamydien verursacht wird, können schmerzhafte Schwellungen der Lymphknoten in der Leiste auftreten. [6]
Auch Gonorrhö und andere sexuell übertragbare Infektionen können in die ärztliche Abklärung einbezogen werden, wenn entsprechende Beschwerden oder ein mögliches Ansteckungsrisiko bestehen. Einige dieser Infektionen verlaufen zudem mit wenigen oder gar keinen Beschwerden. [7]
HIV-Infektion
Eine HIV-Infektion kann ebenfalls mit einer Lymphknotenschwellung einhergehen. Gerade im frühen Stadium sind die Beschwerden allerdings unspezifisch und können beispielsweise grippeähnlich wirken. Eine Lymphknotenschwellung allein erlaubt deshalb keinen Rückschluss auf eine HIV-Infektion. Bei einem entsprechenden Risiko kann ein HIV-Test Klarheit schaffen. [7]
Können Autoimmunerkrankungen die Ursache sein?
Neben Infektionen kommen auch nichtinfektiöse Erkrankungen als Ursache einer Lymphknotenschwellung infrage. Dazu zählen unter anderem bestimmte Autoimmun- und entzündliche Erkrankungen. Bei einer länger bestehenden oder an mehreren Körperstellen auftretenden Lymphknotenschwellung kann deshalb eine umfassendere medizinische Abklärung erforderlich sein. [1]
Eine geschwollene Lymphknotengruppe in der Leiste lässt sich daher nicht allein anhand ihrer Größe oder Schmerzhaftigkeit einer bestimmten Erkrankung zuordnen. Entscheidend sind immer das Gesamtbild, die Begleitsymptome und der zeitliche Verlauf.
Sind geschwollene Lymphknoten in der Leiste ein Zeichen für Krebs?
Auch Krebserkrankungen können Lymphknoten vergrößern. Dazu gehören beispielsweise Lymphome sowie Tumorerkrankungen, die in den Lymphabflussbereich der Leiste streuen können. Solche Ursachen sind jedoch deutlich seltener als infektiöse oder reaktive Veränderungen. [1] [8]
Bei einem Lymphom können vergrößerte Lymphknoten unter anderem in der Leiste auftreten. Hinweise auf eine ernstere Ursache können insbesondere eine anhaltende oder zunehmende Schwellung sowie zusätzliche Allgemeinsymptome wie ungeklärtes Fieber, starkes nächtliches Schwitzen oder unbeabsichtigter Gewichtsverlust sein. Diese Beschwerden sind allerdings nicht spezifisch für Krebs und können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. [8]
Welche Eigenschaften eines Lymphknotens sind wichtig?
Bei der ärztlichen Untersuchung werden nicht nur Größe und Lage betrachtet. Auch die Konsistenz, Beweglichkeit, Druckempfindlichkeit und Dauer der Schwellung spielen eine Rolle. Zusätzlich wird untersucht, ob nur die Lymphknoten in der Leiste oder auch andere Lymphknotenregionen betroffen sind. [1]
Ein einzelner tastbarer Lymphknoten lässt deshalb noch keine sichere Aussage über die Ursache zu. Auch die häufig verwendete Faustregel, nach der jeder größere Lymphknoten automatisch gefährlich sei, greift zu kurz. Die Beurteilung muss immer im klinischen Zusammenhang erfolgen. [1]
Wie werden geschwollene Lymphknoten in der Leiste untersucht?
Am Anfang steht in der Regel eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Dabei fragt die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach der Dauer der Schwellung, Schmerzen, Fieber, Hautveränderungen, Verletzungen, Infektionen und möglichen Risikofaktoren. Je nach Situation können auch Reise- und Tierkontakte oder sexuelle Kontakte für die Ursachenfindung relevant sein. [1]
Blutuntersuchungen
Bluttests können Hinweise auf eine Entzündung oder Infektion liefern. Welche Werte bestimmt werden, hängt vom individuellen Verdacht ab. Bei einem möglichen Zusammenhang mit einer sexuell übertragbaren Infektion können außerdem gezielte Tests auf bestimmte Erreger sinnvoll sein. [1] [7]
Ultraschall und andere bildgebende Verfahren
Bei unklaren Lymphknotenschwellungen kann eine Ultraschalluntersuchung zusätzliche Informationen über den Lymphknoten liefern. Abhängig von der Situation kommen auch andere bildgebende Verfahren infrage. Die Auswahl richtet sich nach dem Alter, der körperlichen Untersuchung und dem vermuteten Auslöser. [1]
Wann ist eine Gewebeprobe notwendig?
Wenn die Ursache trotz Untersuchung und gegebenenfalls bildgebender oder laborchemischer Diagnostik unklar bleibt oder bestimmte Warnzeichen vorliegen, kann eine Gewebeprobe erforderlich sein. Dabei wird Lymphknotengewebe entnommen und untersucht. [1]
Eine anhaltende Lymphknotenschwellung ohne erkennbare harmlose Ursache sollte deshalb nicht dauerhaft ignoriert werden. Fachliche Empfehlungen sehen insbesondere bei einer über mehrere Wochen bestehenden Schwellung oder bei zusätzlichen Allgemeinsymptomen eine weitere Abklärung vor. [1] [8]
Wann sollte man mit geschwollenen Lymphknoten in der Leiste zum Arzt?
Eine ärztliche Untersuchung ist besonders sinnvoll, wenn die Schwellung nicht wieder zurückgeht, größer wird oder ohne erkennbare Ursache neu auftritt. Das gilt auch bei mehreren gleichzeitig vergrößerten Lymphknotenregionen. [1]
Eine zeitnahe medizinische Abklärung ist außerdem angebracht, wenn Begleitsymptome wie ungeklärtes Fieber, starkes nächtliches Schwitzen, unbeabsichtigter Gewichtsverlust oder eine ausgeprägte allgemeine Schwäche hinzukommen. [1] [8]
Bei einer gleichzeitig bestehenden Hautentzündung, einer schmerzhaften Verletzung, Beschwerden im Genitalbereich oder einem möglichen Kontakt mit einer sexuell übertragbaren Infektion sollte ebenfalls ärztlich geprüft werden, ob eine behandlungsbedürftige Infektion vorliegt. [4] [7]
Fazit
Geschwollene Lymphknoten in der Leiste sind häufig eine Reaktion auf eine Infektion oder Entzündung im Bereich der Beine, Füße oder Genitalregion. Auch Verletzungen und bestimmte sexuell übertragbare Infektionen können die Ursache sein. Seltener kommen Autoimmunerkrankungen oder bösartige Erkrankungen infrage. [1] [3]
Entscheidend sind deshalb nicht allein Größe oder Schmerzhaftigkeit des Lymphknotens, sondern vor allem Verlauf, Begleitsymptome und die mögliche Ursache. Wenn eine Schwellung über längere Zeit bestehen bleibt, zunimmt oder mit auffälligen Allgemeinsymptomen verbunden ist, sollte sie ärztlich untersucht werden.
Quellen [+]
[1] Falk N, Joseph R, Dieujuste M: Lymphadenopathy: Evaluation and Differential Diagnosis. American Family Physician. 2025. https://www.aafp.org/afp/2025/0900/lymphadenopathy
[2] Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: Lymphknotenschwellung. Aktuell abgerufen 2026. https://gesund.bund.de/glossar/lymphknotenschwellung
[3] American Academy of Family Physicians: Lymphadenopathy and Malignancy – regionale Ursachen der inguinalen Lymphadenopathie. 2002. https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2002/1201/p2103.html
[4] Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: ICD-10-Code A28.1 – Katzenkratzkrankheit. Aktuell abgerufen 2026. https://gesund.bund.de/icd-code-suche/a28-1
[5] Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: ICD-10-Code A51.1 – Syphilis mit Primäraffekt im Analbereich. Aktuell abgerufen 2026. https://gesund.bund.de/icd-code-suche/a51-1
[6] Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: ICD-10-Code A55 – Lymphogranuloma inguinale (venereum) durch Chlamydien. Aktuell abgerufen 2026. https://gesund.bund.de/icd-code-suche/a55
[7] Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur HIV-Infektion und AIDS. Stand 24.09.2018. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/HIVAids/FAQ-Liste.html
[8] Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: Non-Hodgkin-Lymphome – Diagnose und Therapie. Aktuell abgerufen 2026. https://gesund.bund.de/non-hodgkin-lymphome
