Keuchhusten: Symptome, Verlauf, Komplikationen und Behandlung
Keuchhusten, medizinisch Pertussis, ist eine bakterielle Infektion der Atemwege. Typisch sind zunächst unscheinbare Erkältungssymptome, später jedoch heftige, anfallsartige Hustenattacken. Die Erkrankung kann sich über viele Wochen hinziehen und ist insbesondere für Neugeborene und junge Säuglinge gefährlich. Auch Jugendliche und Erwachsene können sich anstecken und die Infektion weitergeben. [1] [2]
Was ist Keuchhusten?
Keuchhusten wird hauptsächlich durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht. Die Übertragung erfolgt vor allem über infektiöse Tröpfchen beziehungsweise Atemwegssekrete beim Husten und Niesen. Jugendliche und Erwachsene können dabei eine wichtige Infektionsquelle für Säuglinge sein. [1]
Die Inkubationszeit beträgt meistens etwa neun bis zehn Tage, kann aber ungefähr sechs bis 20 Tage umfassen. Die Erkrankung beginnt häufig mit Beschwerden, die zunächst kaum von einer gewöhnlichen Erkältung zu unterscheiden sind. [1]
Welche Symptome treten bei Keuchhusten auf?
Der klassische Verlauf einer erstmaligen Pertussis-Erkrankung bei ungeimpften Menschen lässt sich in drei Phasen einteilen. Allerdings verläuft Keuchhusten nicht bei allen Betroffenen typisch. Besonders bei Erwachsenen, Jugendlichen und geimpften Personen kann lediglich ein länger anhaltender Husten auftreten. Bei Säuglingen können dagegen Atemaussetzer im Vordergrund stehen, ohne dass zunächst ein ausgeprägter Husten vorhanden sein muss. [1] [2]
1. Frühphase: zunächst wie eine Erkältung
Am Anfang stehen meist relativ milde Beschwerden. Typisch sind Schnupfen, leichter Husten und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Fieber fehlt häufig oder ist nur gering ausgeprägt. Diese erste Phase dauert bei einem typischen Verlauf etwa ein bis zwei Wochen. [1]
Gerade diese frühe Krankheitsphase ist problematisch, weil Keuchhusten zu diesem Zeitpunkt leicht mit einer gewöhnlichen Erkältung verwechselt werden kann. Die Ansteckungsfähigkeit ist bereits vorhanden und erreicht früh im Krankheitsverlauf eine hohe Ausprägung. [1]
2. Hustenphase: heftige Hustenanfälle
Im weiteren Verlauf entwickelt sich der charakteristische anfallsartige Husten. Die einzelnen Attacken können sehr heftig sein und minutenlang anhalten. Anschließend kommt es häufig zu einem erschwerten, pfeifenden oder keuchenden Einatmen. Das typische Geräusch ist jedoch nicht bei jedem Erkrankten vorhanden. [1] [2]
Während oder nach einer Hustenattacke können zäher Schleim und Erbrechen auftreten. Besonders bei Säuglingen kann die Atmung während der Erkrankung gefährlich beeinträchtigt werden. Ein bläuliches Verfärben der Haut oder Atempausen sind Warnzeichen, die sofort medizinisch abgeklärt werden müssen. [1] [2]
Die Hustenanfälle können über mehrere Wochen bestehen bleiben. Bei einem typischen Verlauf dauert die ausgeprägte Hustenphase etwa vier bis sechs Wochen. [1]
3. Erholungsphase: der Husten klingt langsam ab
Nach der Phase mit den stärksten Hustenanfällen gehen Häufigkeit und Intensität allmählich zurück. Trotzdem kann ein Resthusten noch über viele weitere Wochen bestehen. Für den gesamten Krankheitsverlauf sind deshalb mehrere Wochen bis hin zu einigen Monaten möglich. [1] [2]
Warum Keuchhusten bei Säuglingen besonders gefährlich ist
Das größte Risiko für schwere Krankheitsverläufe besteht bei Neugeborenen und jungen Säuglingen. Bei ihnen fehlen die typischen Hustenanfälle teilweise völlig. Stattdessen können Atempausen, Atemnot oder eine bläuliche Verfärbung auftreten. Besonders gefährdet sind ungeimpfte Säuglinge in den ersten Lebensmonaten. [1] [2]
Zu den möglichen schweren Komplikationen gehören vor allem Lungenentzündungen und Atemstillstände. In seltenen Fällen können auch Krampfanfälle oder neurologische Komplikationen auftreten. Aufgrund des Risikos von Atemaussetzern kann bei erkrankten Neugeborenen und jungen Säuglingen eine stationäre Überwachung erforderlich sein. [1] [2]
Welche Komplikationen kann Keuchhusten verursachen?
Keuchhusten belastet den Körper vor allem durch die wiederholten, starken Hustenanfälle. Die häufigste schwerwiegende Komplikation ist eine Lungenentzündung. Weitere mögliche Folgen sind unter anderem Mittelohrentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Hernien, Rippenfrakturen sowie Blutungen an der Bindehaut. Schwere neurologische Komplikationen sind selten und betreffen vor allem schwer erkrankte Säuglinge. [1]
Das Komplikationsrisiko ist nicht für alle Altersgruppen gleich. Säuglinge haben ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe als ältere Kinder, Jugendliche und gesunde Erwachsene. [1] [2]
Wie wird Keuchhusten diagnostiziert?
Die Diagnose ist insbesondere in der Anfangsphase schwierig, weil die Beschwerden anderen Atemwegsinfektionen ähneln. Bei länger anhaltendem Husten, typischen Hustenattacken, Keuchen oder Erbrechen nach dem Husten sowie nach einem Kontakt zu einer bestätigten Pertussis-Erkrankung sollte Keuchhusten in Betracht gezogen und gegebenenfalls labordiagnostisch untersucht werden. [1] [2]
Für den direkten Erregernachweis werden insbesondere Proben aus dem Nasen-Rachen-Raum untersucht. In den ersten Wochen nach Beginn des Hustens können molekularbiologische Verfahren wie die PCR eingesetzt werden. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Krankheitsstadium ab. [1]
Eine Impfung schließt Keuchhusten nicht grundsätzlich aus. Auch geimpfte Menschen können erkranken, wobei die Beschwerden häufig weniger typisch ausgeprägt sind. Deshalb kann bei entsprechender Symptomatik auch bei bestehendem Impfschutz eine diagnostische Abklärung notwendig sein. [1] [2]
Wie wird Keuchhusten behandelt?
Keuchhusten wird mit Antibiotika behandelt. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt: Beginnt die Behandlung sehr früh, insbesondere zu Beginn der Hustenphase oder innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen, kann sie die Krankheitsdauer und Stärke der Hustenanfälle beeinflussen. Später steht vor allem die Unterbrechung weiterer Infektionsketten im Vordergrund. [1] [2]
Für die Behandlung werden insbesondere Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide eingesetzt. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter, individuellen Risikofaktoren und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ab. Konkrete Dosierungen sollten deshalb ärztlich festgelegt werden. [1]
Unterstützend ist vor allem darauf zu achten, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen. Bei häufigem Erbrechen können kleinere und dafür häufigere Mahlzeiten sinnvoll sein. Für viele andere Maßnahmen gegen die Hustenanfälle ist die wissenschaftliche Evidenz dagegen begrenzt. [1]
Wie lange ist Keuchhusten ansteckend?
Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bereits gegen Ende der Inkubationszeit und ist insbesondere in den ersten Krankheitswochen hoch. Ohne wirksame Antibiotikatherapie können Erkrankte noch über einen längeren Zeitraum infektiös sein. Eine geeignete antibiotische Behandlung verkürzt die Zeit, in der die Bakterien weitergegeben werden können, deutlich. [1]
Das ist besonders wichtig, wenn Kontakt zu Säuglingen, Schwangeren kurz vor der Geburt oder anderen gefährdeten Personen besteht. Bei Verdacht auf Keuchhusten sollte deshalb ärztlicher Rat eingeholt und enger Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen vermieden werden, bis die Infektiosität ausreichend reduziert ist. [1]
Wie lässt sich Keuchhusten vorbeugen?
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist die Impfung. Impfungen gegen Pertussis reduzieren insbesondere das Risiko schwerer Erkrankungen und schützen damit vor allem Säuglinge, die noch keinen vollständigen eigenen Impfschutz aufgebaut haben. [3]
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die Pertussis-Impfung auch während jeder Schwangerschaft. Ziel ist insbesondere ein sogenannter Nestschutz: Die mütterliche Immunantwort soll dazu beitragen, Neugeborene und junge Säuglinge in einer besonders gefährdeten Lebensphase zu schützen. [4]
Da der Impfschutz nicht lebenslang unverändert bestehen bleibt, sind je nach Alter und individueller Situation Auffrischungsimpfungen vorgesehen. Auch Personen im direkten Umfeld eines Neugeborenen sollten ihren Pertussis-Impfschutz überprüfen lassen. [4]
Wann ist ärztliche Hilfe besonders wichtig?
Bei Säuglingen sollte bei Verdacht auf Keuchhusten grundsätzlich besonders aufmerksam gehandelt werden. Atempausen, Atemnot, eine bläuliche Haut- oder Lippenfarbe, ausgeprägte Schwäche oder Schwierigkeiten bei der Flüssigkeitsaufnahme sind Warnzeichen, bei denen unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich ist. [1] [2]
Auch bei älteren Kindern und Erwachsenen sollte ein ungewöhnlich lang anhaltender oder anfallsartiger Husten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn Kontakt zu einem bestätigten Pertussis-Fall bestand oder die Hustenanfälle von Erbrechen oder einem charakteristischen keuchenden Einatmen begleitet werden. [1]
Keuchhusten ist damit keineswegs nur eine typische Kinderkrankheit. Die Erkrankung kann auch Erwachsene betreffen und bei ihnen vergleichsweise unauffällig beginnen. Gerade deshalb spielt die frühzeitige Erkennung eine wichtige Rolle – sowohl für die Behandlung des Betroffenen als auch für den Schutz gefährdeter Kontaktpersonen. [1] [2]
Quellen [+]
[1] Robert Koch-Institut: Keuchhusten (Pertussis) – RKI-Ratgeber. Stand 26.02.2024. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Pertussis.html
[2] Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: Keuchhusten (Pertussis) – Ursachen, Verlauf, Behandlung. Aktuell abgerufen 2026. https://gesund.bund.de/keuchhusten
[3] World Health Organization (WHO): Pertussis – Überblick und Prävention. Aktuell abgerufen 2026. https://www.who.int/health-topics/pertussis
[4] Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2025, aktuelle Fassung. 2025. https://edoc.rki.de/handle/176904/12372.6
