Zahnschmerzen mit Nelken behandeln: Wirkung, Anwendung und Risiken
Nelken werden seit Langem als Hausmittel bei Zahnbeschwerden verwendet. Verantwortlich für den möglichen schmerzlindernden Effekt ist vor allem Eugenol, ein Bestandteil des ätherischen Nelkenöls. Eugenol besitzt unter anderem schmerzlindernde, entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften und wird deshalb auch in bestimmten zahnmedizinischen Materialien eingesetzt. [1] [2]
Trotzdem sollte Nelkenöl nicht mit einer Behandlung der eigentlichen Ursache gleichgesetzt werden. Zahnschmerzen können beispielsweise durch Karies, eine Entzündung des Zahninneren, Erkrankungen des Zahnfleisches oder einen Abszess entstehen. Hausmittel können Beschwerden höchstens vorübergehend lindern. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen ist eine zahnärztliche Untersuchung entscheidend. [3] [4]
Warum können Nelken bei Zahnschmerzen helfen?
Der wichtigste Inhaltsstoff der Gewürznelke ist Eugenol. Die getrockneten Blütenknospen des Nelkenbaums Syzygium aromaticum enthalten besonders viel dieses aromatischen Pflanzenstoffs. Eugenol ist zugleich ein wesentlicher Bestandteil des ätherischen Nelkenöls. [1]
Für die Zahnmedizin ist Eugenol seit Langem relevant. Der Stoff wird unter anderem zusammen mit Zinkoxid in bestimmten zahnmedizinischen Materialien verwendet. Untersuchungen beschreiben für Eugenol verschiedene biologische Eigenschaften, darunter schmerzlindernde und entzündungshemmende Effekte. [2]
Das bedeutet jedoch nicht, dass das Auftragen von Nelken oder Nelkenöl jeden Zahnschmerz zuverlässig beseitigt. Die wissenschaftliche Evidenz zu einer selbst durchgeführten Anwendung von Nelkenöl bei gewöhnlichen Zahnschmerzen ist begrenzt. Ein Teil der Forschung bezieht sich auf Eugenol in zahnmedizinischen Präparaten oder auf spezielle Situationen nach zahnchirurgischen Eingriffen und lässt sich nicht ohne Weiteres auf die häusliche Anwendung übertragen. [5]
Wie lässt sich Nelkenöl bei Zahnschmerzen anwenden?
Wer Nelkenöl vorübergehend gegen Zahnschmerzen verwenden möchte, sollte besonders vorsichtig damit umgehen. Ein zugelassenes Nelkenöl-Arzneimittel zur kurzfristigen Linderung von Zahnschmerzen sieht beispielsweise vor, eine kleine Menge gezielt auf den betroffenen Zahn aufzutragen. Der Kontakt mit dem Zahnfleisch soll dabei vermieden werden. [6]
Für die häusliche Anwendung gilt deshalb vor allem: Nelkenöl nicht großflächig im Mund verteilen und nicht einfach auf das Zahnfleisch geben. Ätherische Öle sind hochkonzentriert und können die Schleimhaut reizen. Wiederholte Anwendung kann zudem das Zahnfleisch schädigen. [6]
Auch das Schlucken von konzentriertem Nelkenöl sollte vermieden werden. Wird eine größere Menge versehentlich verschluckt, ist medizinischer Rat erforderlich. [6]
Ist das Kauen einer ganzen Nelke sinnvoll?
Eine ganze Gewürznelke enthält ebenfalls Eugenol. Im Gegensatz zu einem konzentrierten ätherischen Öl ist die aufgenommene Menge allerdings nicht standardisiert. Deshalb lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, wie stark oder wie lange eine mögliche schmerzlindernde Wirkung ausfällt.
Wer Nelken als Gewürz verwendet, kann sie selbstverständlich im Rahmen einer normalen Ernährung verzehren. Eine gezielte Behandlung starker Zahnschmerzen durch Kauen einer Nelke sollte jedoch nicht als Ersatz für eine zahnärztliche Behandlung verstanden werden.
Hilft Nelkentee gegen Zahnschmerzen?
Für einen speziellen Nutzen von aufgekochtem Nelkentee bei Zahnschmerzen gibt es keine ausreichende Grundlage, aus der sich eine zuverlässige Behandlungsempfehlung ableiten lässt. Die Tatsache, dass Nelken Eugenol enthalten, bedeutet nicht automatisch, dass ein Aufguss dieselbe Wirkung wie ein entsprechend hergestelltes zahnmedizinisches Präparat oder Nelkenöl besitzt.
Welche Risiken hat Nelkenöl?
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“. Konzentriertes Nelkenöl kann die Haut und Schleimhäute reizen. Beschriebene Nebenwirkungen umfassen unter anderem Reizungen, Hautreaktionen sowie Schwellungen oder Blasenbildung im Mund. Bei entsprechenden Beschwerden sollte die Anwendung beendet werden. [6]
Besonders problematisch ist die wiederholte oder unsachgemäße Anwendung direkt am Zahnfleisch. Das Arzneimittel-Informationsblatt zu Nelkenöl weist ausdrücklich darauf hin, dass wiederholter Kontakt das Zahnfleisch schädigen kann und das Produkt nur vorsichtig und gezielt am betroffenen Zahn angewendet werden soll. [6]
Bei einer bekannten Allergie gegen Nelkenöl oder Eugenol sollte ein entsprechendes Präparat nicht verwendet werden. Auch bei bestehenden Zahnfleischerkrankungen oder Problemen mit der Blutgerinnung ist vor der Anwendung ärztlicher beziehungsweise pharmazeutischer Rat sinnvoll. [6]
Nelkenöl bei Kindern und in der Schwangerschaft
Nelkenöl bei Kindern
Bei kleinen Kindern sollte Nelkenöl nicht eigenständig gegen Zahnschmerzen eingesetzt werden. Ein zugelassenes Nelkenöl-Arzneimittel weist ausdrücklich darauf hin, dass es nicht für Kinder unter zwei Jahren empfohlen wird und nicht gegen Beschwerden beim Zahnen verwendet werden soll. [6]
Grundsätzlich sollte die Ursache von Zahnschmerzen bei Kindern zeitnah zahnärztlich abgeklärt werden. Gerade bei Milchzähnen kann eine unbehandelte Erkrankung fortschreiten, auch wenn die Schmerzen vorübergehend nachlassen.
Nelkenöl während Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft sollte Nelkenöl nicht ohne vorherige Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin angewendet werden. In der Packungsinformation eines entsprechenden Nelkenöl-Arzneimittels wird die Anwendung in der Schwangerschaft nur auf ärztliche Empfehlung vorgesehen. Auch während der Stillzeit wird empfohlen, vor der Anwendung medizinischen oder pharmazeutischen Rat einzuholen. [6]
Was hilft sonst bei akuten Zahnschmerzen?
Wenn kurzfristig kein Zahnarzt erreichbar ist, können geeignete Maßnahmen dabei helfen, die Beschwerden bis zur Behandlung zu überbrücken. Welche Schmerzmittel infrage kommen, hängt unter anderem vom Alter, bestehenden Erkrankungen, anderen Medikamenten und möglichen Gegenanzeigen ab.
Für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren empfehlen evidenzbasierte zahnmedizinische Leitlinien bei akuten Zahnschmerzen insbesondere nichtopioide Schmerzmittel. Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen können allein oder in Kombination mit Paracetamol eingesetzt werden, sofern sie für die betreffende Person geeignet sind. [7]
Zusätzlich können einfache Maßnahmen die Beschwerden vorübergehend reduzieren. Dazu gehören beispielsweise eine vorsichtige Mundpflege, weiche Nahrung und das Vermeiden sehr heißer, kalter oder süßer Speisen, wenn diese den Schmerz verstärken. Eine Spülung mit Salzwasser wird ebenfalls als mögliche vorübergehende Maßnahme genannt. [3]
Solche Maßnahmen behandeln allerdings nicht die Ursache des Zahnschmerzes. Insbesondere bei Karies, einer Entzündung des Zahninneren oder einem Abszess ist eine zahnärztliche Behandlung erforderlich. [4] [8]
Wann sollte man mit Zahnschmerzen zum Zahnarzt?
Zahnschmerzen sollten nicht über längere Zeit ausschließlich mit Hausmitteln behandelt werden. Das NHS empfiehlt eine zahnärztliche Abklärung insbesondere dann, wenn die Beschwerden länger als zwei Tage anhalten oder trotz Schmerzmitteln nicht verschwinden. Auch Fieber, Schmerzen beim Zubeißen, gerötetes Zahnfleisch, ein schlechter Geschmack im Mund oder eine Schwellung von Wange beziehungsweise Kiefer sprechen für eine zeitnahe Untersuchung. [3]
Bei Verdacht auf einen Zahnabszess ist eine dringende zahnärztliche Behandlung erforderlich. Ein Abszess verschwindet nicht von selbst und kann mit starken Schmerzen, Schwellungen, Fieber und weiteren Beschwerden einhergehen. [4]
Wann ist ein zahnmedizinischer Notfall möglich?
Besonders ernst ist eine zunehmende Schwellung im Mund- oder Halsbereich. Wenn dadurch das Atmen, Schlucken oder Sprechen erschwert wird, ist sofort medizinische Hilfe erforderlich. Auch eine starke Schwellung rund um das Auge oder plötzlich auftretende Sehstörungen im Zusammenhang mit einer Zahninfektion müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden. [4]
Kann Nelkenöl einen Zahnarztbesuch ersetzen?
Nein. Nelkenöl kann aufgrund der Eigenschaften von Eugenol unter bestimmten Umständen vorübergehend zur Schmerzlinderung beitragen, beseitigt aber nicht die zugrunde liegende Ursache eines Zahnschmerzes. Selbst ein zugelassenes Nelkenöl-Präparat wird ausdrücklich als vorübergehende Maßnahme beschrieben und mit der Empfehlung verbunden, möglichst bald einen Zahnarzt aufzusuchen. [6]
Auch Antibiotika sind bei Zahnschmerzen nicht automatisch die richtige Behandlung. Die American Dental Association empfiehlt bei den meisten pulpa- und wurzelspitzenbezogenen Zahnschmerzen ohne systemische Beteiligung zunächst die notwendige zahnmedizinische Behandlung und gegebenenfalls geeignete Schmerzmittel. Bei Anzeichen einer systemischen Beteiligung wie Fieber kann dagegen eine antibiotische Behandlung erforderlich werden. [8]
Fazit: Nelken können Beschwerden möglicherweise vorübergehend lindern
Der schmerzlindernde Ruf der Nelke hängt vor allem mit ihrem Inhaltsstoff Eugenol zusammen. Dieser Stoff besitzt Eigenschaften, die seine Verwendung in der Zahnmedizin erklären und grundsätzlich eine vorübergehende Linderung von Beschwerden ermöglichen können. [1] [2]
Die Anwendung von Nelkenöl zu Hause sollte jedoch vorsichtig erfolgen. Konzentriertes Öl kann die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch reizen oder schädigen und sollte nicht einfach großflächig aufgetragen oder verschluckt werden. [6]
Entscheidend ist deshalb die richtige Einordnung: Nelkenöl kann allenfalls eine kurzfristige Überbrückung sein. Hält der Zahnschmerz an, wird er stärker oder treten Schwellung, Fieber oder andere Warnzeichen auf, sollte die Ursache zahnärztlich abgeklärt und behandelt werden. [3] [4]
Quellen [+]
[1] Cortés-Rojas, D. F.; de Souza, C. R. F.; Oliveira, W. P.: Clove (Syzygium aromaticum): a precious spice. 2014. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3819475/
[2] Kamatou, G. P. P.; Vermaak, I.; Viljoen, A. M.: Eugenol—From the Remote Maluku Islands to the International Market Place: A Review of a Remarkable and Versatile Molecule. 2012. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6268661/
[3] NHS: Toothache. Aktuelle Patienteninformation. https://www.nhs.uk/symptoms/toothache/
[4] NHS: Dental abscess. Aktuelle Patienteninformation. https://www.nhs.uk/conditions/dental-abscess/
[5] Kumar, M. et al.: Effectiveness of 0.2% chlorhexidine gel and a eugenol based paste on postoperative alveolar osteitis in patients having third molars extracted. 2015. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26188932/
[6] Electronic Medicines Compendium (emc): Clove Oil – Patienteninformation. Überarbeitete Fassung September 2016. https://www.medicines.org.uk/emc/files/pil.4817.pdf
[7] American Dental Association: Acute Pain Management: Toothache – Adult/Adolescent Living Guideline. Aktualisierte Evidenzsuche Februar 2026. https://www.ada.org/resources/research/science/evidence-based-dental-research/living-guideline-program/adult-adolescent-pain-management-toothache
[8] American Dental Association: Antibiotics for Dental Pain and Swelling Guideline. 2019. https://www.ada.org/resources/research/science/evidence-based-dental-research/antibiotics-for-dental-pain-and-swelling/
