Eierstockzysten mit Kräutern behandeln: Was ist wissenschaftlich belegt?
Der Wunsch, Eierstockzysten möglichst natürlich zu behandeln, ist nachvollziehbar. Im Internet werden dafür verschiedene Heilpflanzen wie Majoran oder Kamille empfohlen. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch deutlich zurückhaltender: Für die Behandlung einer bestehenden Eierstockzyste gibt es keinen belastbaren Nachweis, dass ein bestimmtes Kraut die Zyste zuverlässig beseitigt.
Wichtig ist außerdem, zwischen Eierstockzysten und dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) zu unterscheiden. Beide Begriffe werden im Alltag häufig miteinander vermischt, bezeichnen aber nicht dasselbe Krankheitsbild. Eierstockzysten sind flüssigkeitsgefüllte Strukturen am oder im Eierstock; viele funktionelle Zysten entstehen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus und verschwinden innerhalb einiger Monate von selbst. [1]
Was sind Eierstockzysten?
Eine Eierstockzyste ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum im Eierstock oder auf dessen Oberfläche. Sie sind häufig und verursachen oft überhaupt keine Beschwerden. Besonders sogenannte funktionelle Zysten entstehen im Zusammenhang mit dem Eisprung und bilden sich häufig ohne Behandlung wieder zurück. [1]
Je nach Größe, Aussehen, Ursache und Beschwerden kann jedoch eine ärztliche Kontrolle notwendig sein. Größere oder anhaltende Zysten sowie Zysten, die Beschwerden verursachen oder auffällig erscheinen, können eine weitere Abklärung oder Behandlung erforderlich machen. [2]
Typische Beschwerden können unter anderem einseitige Unterbauch- oder Beckenschmerzen, ein Druck- oder Völlegefühl, Blähungen oder Veränderungen der Monatsblutung sein. Viele Zysten bleiben dagegen symptomlos. [1]
Eierstockzysten und PCOS sind nicht dasselbe
Ein wichtiger Punkt bei der Verwendung von Heilkräutern ist die Unterscheidung zwischen einer einzelnen Eierstockzyste und PCOS. Das Polyzystische Ovarialsyndrom ist eine hormonelle und Stoffwechselstörung. Der Name kann irreführend sein, denn bei PCOS geht es nicht einfach um eine einzelne größere Zyste, die mit einem Hausmittel aufgelöst werden könnte.
Studien über Heilpflanzen bei PCOS liefern deshalb nicht automatisch einen Nachweis für eine Wirkung gegen gewöhnliche Eierstockzysten. Genau diese Unterscheidung wird bei Empfehlungen zu „Kräutern gegen Eierstockzysten“ häufig übersehen.
Kann Majoran bei Eierstockzysten helfen?
Majoran (Origanum majorana) wird traditionell unter anderem im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden und Menstruationsbeschwerden verwendet. Interessanter ist eine kleine klinische Studie, in der untersucht wurde, ob Majorantee bestimmte hormonelle und metabolische Parameter bei Frauen mit PCOS beeinflussen kann. [3]
Was zeigte die Studie mit Majorantee?
An der randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie nahmen 25 Frauen mit PCOS teil. Die Teilnehmerinnen tranken einen Monat lang zweimal täglich entweder Majorantee oder einen Placebo-Tee. Untersucht wurden unter anderem verschiedene Hormone sowie Nüchterninsulin und Parameter der Insulinresistenz. [3]
In der Majorangruppe sanken unter anderem die Werte von DHEA-S und Nüchterninsulin. Die Autoren selbst betonten jedoch, dass weitere Forschung notwendig ist, um die Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen. [3]
Diese Ergebnisse sind interessant, bedeuten aber nicht, dass Majoran bestehende Eierstockzysten auflösen kann. Die Untersuchung befasste sich mit hormonellen und metabolischen Parametern bei Frauen mit PCOS und nicht mit der Behandlung gewöhnlicher Eierstockzysten. Eine entsprechende Wirkung auf Eierstockzysten lässt sich aus dieser Studie daher nicht ableiten.
Kann Kamille bei Eierstockzysten helfen?
Auch Kamille wird gelegentlich als pflanzliches Mittel bei hormonellen Beschwerden empfohlen. Hier gibt es zwar experimentelle Forschung zu PCOS, die Ergebnisse stammen jedoch nicht aus einer klinischen Studie mit Frauen mit Eierstockzysten.
Was wurde mit Kamille untersucht?
In einer 2010 veröffentlichten Untersuchung wurde ein alkoholischer Kamillenextrakt an Ratten mit experimentell ausgelösten polyzystischen Veränderungen der Eierstöcke untersucht. Die Tiere erhielten den Extrakt über einen begrenzten Zeitraum in unterschiedlichen Dosierungen. Bei bestimmten Dosierungen wurden Veränderungen des Eierstockgewebes und der Hormonwerte beobachtet. [4]
Solche Tierexperimente können Hinweise für weitere Forschung liefern. Sie sind jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Nachweis, dass Kamillentee oder Kamillenpräparate bei Frauen PCOS oder Eierstockzysten behandeln können. Insbesondere lassen sich die im Tierversuch verwendeten Extrakte und Dosierungen nicht einfach auf den Menschen übertragen.
Auch eine systematische Übersichtsarbeit zu pflanzlichen Präparaten bei PCOS zeigt zwar verschiedene Forschungsansätze, macht aber deutlich, dass die untersuchten Pflanzen und Studien sehr unterschiedlich sind. Erkenntnisse zu einzelnen pflanzlichen Präparaten sollten deshalb nicht pauschal auf jede Form von PCOS oder auf Eierstockzysten übertragen werden. [5]
Warum „natürlich“ nicht automatisch wirksam oder harmlos bedeutet
Bei pflanzlichen Präparaten wird häufig davon ausgegangen, dass sie grundsätzlich schonend seien. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Heilpflanzen können pharmakologisch aktive Stoffe enthalten und mit Medikamenten wechselwirken. Außerdem sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht für jedes Präparat in gleicher Weise untersucht.
Das National Center for Complementary and Integrative Health weist beispielsweise darauf hin, dass Kamille allergische Reaktionen auslösen kann und Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten, darunter Warfarin, beschrieben wurden. Über die Sicherheit einer medizinischen Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit ist zudem nur begrenztes Wissen vorhanden. [6]
Bei pflanzlichen Präparaten sollte deshalb insbesondere dann ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden, eine Schwangerschaft besteht oder geplant ist oder eine chronische Erkrankung vorliegt. Auch das britische Gesundheitswesen weist darauf hin, dass pflanzliche Arzneimittel mit anderen Medikamenten interagieren können und nicht für jeden Menschen geeignet sind. [7]
Wie werden Eierstockzysten normalerweise behandelt?
Ob eine Eierstockzyste behandelt werden muss, hängt unter anderem von ihrer Größe und ihrem Erscheinungsbild, den Beschwerden sowie davon ab, ob die betroffene Person bereits in der Menopause ist. Bei vielen unkomplizierten Zysten reicht zunächst eine Beobachtung mit einer späteren Ultraschallkontrolle aus, weil sie sich von selbst zurückbilden können. [2]
Wenn eine Zyste groß ist, bestehen bleibt, Beschwerden verursacht oder aufgrund ihres Erscheinungsbildes genauer abgeklärt werden muss, kann eine operative Entfernung infrage kommen. Bei geeigneten gutartigen Befunden wird häufig eine minimalinvasive Operation eingesetzt. [2]
Die Diagnose und Verlaufskontrolle erfolgt in der Regel mithilfe einer gynäkologischen Untersuchung und einer Ultraschalluntersuchung. Je nach Befund können weitere Untersuchungen erforderlich sein. [8]
Wann sind Eierstockzysten ein Notfall?
Eine bekannte oder vermutete Eierstockzyste sollte nicht ausschließlich mit Hausmitteln behandelt werden, wenn plötzlich starke Beschwerden auftreten. Eine Zyste kann beispielsweise reißen oder eine Drehung des Eierstocks begünstigen. Beide Situationen können eine dringende medizinische Abklärung erforderlich machen. [1]
Bei plötzlich einsetzenden, starken Unterbauch- oder Beckenschmerzen sollte daher unverzüglich medizinische Hilfe gesucht werden. Besonders ernst zu nehmen sind starke Schmerzen in Verbindung mit Übelkeit oder Erbrechen. [1]
Was ist von Hausmitteln gegen Eierstockzysten zu halten?
Wärme, Ruhe oder eine ausgewogene Ernährung können je nach Ursache und persönlicher Situation dazu beitragen, sich bei leichten Beschwerden wohler zu fühlen. Sie sind jedoch nicht mit einer Behandlung der Zyste gleichzusetzen.
Für Kräuter wie Majoran und Kamille gibt es einzelne Forschungsergebnisse, die sich vor allem auf PCOS oder experimentelle Modelle beziehen. Daraus lässt sich derzeit keine verlässliche Empfehlung ableiten, Eierstockzysten mit diesen Pflanzen zu behandeln. Die übliche medizinische Vorgehensweise richtet sich stattdessen nach dem konkreten Befund und kann von kontrolliertem Abwarten bis zu einer Operation reichen. [2]
Fazit: Eierstockzysten lassen sich nicht nachweislich mit Kräutern auflösen
Majoran und Kamille sind wissenschaftlich untersucht worden, allerdings vor allem im Zusammenhang mit PCOS und nicht als nachgewiesene Therapie gewöhnlicher Eierstockzysten. Die kleine Studie zu Majorantee zeigte bei Frauen mit PCOS Veränderungen bestimmter hormoneller und metabolischer Parameter, während die Kamillenuntersuchung an einem Rattenmodell durchgeführt wurde. [3] [4]
Diese Ergebnisse sind nicht ausreichend, um zu behaupten, dass Kräuter Eierstockzysten beim Menschen beseitigen können. Wer eine diagnostizierte Eierstockzyste hat, sollte sich deshalb an Größe, Aussehen, Beschwerden und persönlichem Risiko orientieren und die weitere Vorgehensweise mit einer gynäkologischen Fachperson besprechen. Viele funktionelle Zysten verschwinden von selbst und benötigen lediglich eine Verlaufskontrolle. [1] [2]
Quellen [+]
[1] NHS: Ovarian cyst – Overview. Aktualisierte Patienteninformation. https://www.nhs.uk/conditions/ovarian-cyst/
[2] NHS: Ovarian cyst – Treatment. Patienteninformation. https://www.nhs.uk/conditions/ovarian-cyst/treatment/
[3] Haj-Husein, I.; Tukan, S.; Alkazaleh, F.: The effect of marjoram (Origanum majorana) tea on the hormonal profile of women with polycystic ovary syndrome: a randomised controlled pilot study. Journal of Human Nutrition and Dietetics, 2016. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25662759/
[4] Zafari Zangeneh, F. et al.: Effects of Chamomile Extract on Biochemical and Clinical Parameters in a Rat Model of Polycystic Ovary Syndrome. Journal of Reproduction and Infertility, 2010. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23926485/
[5] Manouchehri, A. et al.: Polycystic ovaries and herbal remedies: A systematic review. Journal of Medical Life, 2023. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35916457/
National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH): Chamomile: Usefulness and Safety. Aktuelle Informationsseite. https://www.nccih.nih.gov/health/chamomile
NHS: Herbal medicines and complementary therapies. Zuletzt geprüft 1. Mai 2026. https://www.nhs.uk/tests-and-treatments/herbal-medicines-and-complementary-therapies/
Mayo Clinic: Ovarian cysts – Diagnosis and treatment. Aktuelle medizinische Patienteninformation. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/ovarian-cysts/diagnosis-treatment/drc-20353411
